JobProjekt 2021

Große Pläne und der Teufel im Detail

Nun zum dritten Teil der Serie um die neue „Alte Apotheke“ – Mein Projekt 2021.

Teil 1 und Teil 2 könnt Ihr hier nachlesen.

Heute möchte ich Euch etwas von großen Plänen und teuflischen Details erzählen, die so nicht geplant waren. 

WC in der Alten Apotheke

Ein WC in einem gewerblich genutzten Objekt macht durchaus Sinn. Darüber war ich mir mit meinem Sanitärfachmann einig. Plan: Klempner kommt, baut eines ein und gut.

Wie wars? „Moooment, erst Rohre verlegen, Wasserleitungen, Abfluss. Dann muss ein Estrich gegossen werden. Dann wird gefliest und dann werden die Toiletten eingebaut.“ Ok, guter Plan. „Wann wird das?“. „Ich komme Dienstag und verlege mal die Rohre!“ Im weiteren Verlauf des „Projekts WC“ musste ich aber lernen, dass „ich komme Dienstag“ nicht hieß, dass es der nächste Dienstag war, nicht der Dienstag in der übernächsten Woche, sondern einfach „ich komme irgendwann…“ Ohne fließend Wasser, ohne WC wären die weiteren Arbeiten in der Apotheke aber jäh ins Stocken geraten. Glücklicherweise konnte ich die leerstehende, ehemalige Bereitschaftswohnung der Apotheke nutzen. 

Einige Dienstage später (Februar oder so) waren dann Rohre verlegt und zumindest einmal ein provisorisches WC eingebaut, Anschlüsse für die Teeküche waren in diesem Zuge auch verlegt worden. Ich liebe es, wenn Pläne aufgehen. Noch ein paar Dienstage später kam der Estrich, der aber noch mind. 24 Stunden aushärten musste. Besser 3 Wochen, dachte sich wohl mein Sanitärfachmann. Gefliest und WC eingebaut war dann im „Handumdrehen“ erledigt. Spüle habe ich dann selbst eingebaut und angeschlossen. Auch die Spülmaschine, den Kühlschrank und das Wichtigste, die Kaffeemaschine – die Teeküche zumindest war am Start..  

WC-Anlage: 2 getrennte WCs für Damen und Herren. Genderpolitisch natürlich nicht korrekt, aber mehr Platz hatte ich einfach nicht. Basta. Dienstag. So war der Plan. 

Realität: Bis Ende Mai hatte ich 2 WC Schüsseln im Raum, ohne Trennwände. An einem Donnerstag im Juni kamen dann zwei ständig fluchende und sich streitende Monteure mit osteuropäischem Migrationshintergrund und haben die Trennwände im Auftrag meines Klempners, wir sagen Flaschner, montiert. Saubere Arbeit übrigens. Ein halbes Jahr (24 Dienstage) hat das gedauert. Die ersten Gespräche hatten wir ja bereits im Dezember geführt. Ich glaube es war ein Dienstag.

 

Umzug:

Der Plan: der Umzug war für die Zeit zwischen den Jahren geplant. Ich fahre einen Tag früher hin und packe schon mal die Kisten, dann wird eingeladen, zurück und ausgeladen. Fertig.

Wie wars? Ich bin einen Tag früher hin, zuerst aber nochmal in die Apotheke, weil da noch einiges zu klären war. Ich war dann erst am Nachmittag in Elsenz. Umzugskartons raus aus dem Auto. Los gehts. Aber erst mal verquatscht. Gut, aber jetzt. „Wo fange ich an?“ Büromaterial? Leitz Ordner und dergleichen klingt nach einem guten Plan. Karton 1, 2 3 4 waren schnell gefüllt. Jetzt die Dinge, die dann nachher in die Wohnung sollten und der Abstellraum. Private Sachen, die man dann auch wiederfindet; gewollt oder auch eher nicht. Alte Fotos, Briefe, die man besser gleich entsorgt hätte. Viel Gerümpel aber auch Dinge, bei denen man sich die Frage stellt, warum man das alles aufbewahrt hat. Sprich, bei den privaten Sachen ging es schon etwas länger, weil man das eine oder andere dann ja auch nochmal anschauen muss. Kisten 5-15 oder so waren dann auch gepackt. Blick auf die Uhr: 23:00 Uhr. Oha! Müde genug war ich, also ab ins Bett.

Den Rest wollte ich dann am nächsten morgen erledigen. Hundemüde wie ich war, sofort weggeratzt und gegen 9:00 Uhr aufgewacht. Der Plan war, spätestens 7 Uhr aus den Federn, kleines Frühstück und weiter gehts. Nun war es 9:00 Uhr, meine Helfer waren mit dem großen Sprinter, den größten, den man mieten konnte, bereits unterwegs. Ok, kleines Frühstück, Bad und weitermachen. „Bestimmt ist viel Verkehr und die kommen eh später“, dachte ich so bei mir.

Wie wars dann? Tasse Kaffee, paar E-Mails checken, beantworten, bißchen Musik an und ab ins Bad. Nicht stressen lassen, obwohl ich etwas hinter dem Plan war. Steh also fröhlich unter der Dusche da klopft’s vorne an der Tür. Der Sprinter samt Besatzung war da, welch Freude!

Planänderung: Stress. Abtrocknen. Klamotten an. „Komme gleich“. Meine fleißigen Helfer hatten in der Zeit schon mal gut die Hälfte der Kisten, die ich auf der Terrasse geparkt hatte, in den Wagen gepackt. Ich raus, herzliche Begrüßung und mit der Frage konfrontiert: „Na, alles gepackt?“. Meine Antwort fiel, sagen wir, ausweichend aus: „So gut wie… wollt Ihr nicht erst mal eine Kaffee?“. „Nee lass mal, wir wollen ja auch fertig werden.“ war die knappe Antwort. Wie sie dann in meine kleine Wohnung eindrangen, war die Überraschung groß. Bad war noch nicht geräumt, die Schränke mit den Klamotten noch gut gefüllt und die Kartons sollten auch nicht ausreichen. Das war der Status Quo. Ach ja, und dann war da ja noch der Typ der das Bett abholen wollte. Dafür musste aber erst mal alles ausgeräumt sein. Das Tempo zog deutlich an, auf die Kisten zu schreiben, was drin ist und wohin der  Karton dann sollte, hat man dann aus Zeitgründen auch verzichtet. Ab in den  Baumarkt und weitere Umzugskarton holen war ein weiterer Programmpunkt, der auch nicht geplant war.

Ich sag mal so: mein Plan war gut, ganz sicher. Widrige Umstände führten nun dazu, dass vier, mehr oder weniger schlecht gelaunte und mehr oder weniger gestresste Menschen sich auf 50 Quadratmeter auf die Füße traten und Dinge in Kisten packten. Möbel hatte ich zum großen Glück nur einige Kalax in unterschiedlichsten Ausführungen, die aber auch Platz im Sprinter brauchen. (dies ist übrigens keine Werbung, aber wie soll ich das Teil denn bitte beschreiben?)       

Es waren dann doch einige dieser Schränkchen und dazu noch die Küchenausstattung und das Bad war auch noch nicht geräumt. Das Bad mit dem, sagen wir, Kleiderschrank, mit den ganzen Mänteln, Jacken, Hemden, Anzügen. 

Der Plan war ja, alles in den Sprinter zu packen, zurück und ausladen, Sprinter am Abend zurück zur Autovermietung und gut. Umzug abhaken. Das Fahrzeug musste bis 8 Uhr am nächsten Tag spätestens zurück sein. 

Die unerbittliche Realität: Trotz Tetris auf Profi-Niveau, irgendwann war das Transport-Fahrzeug voll. Ein Sprinter (lang), der einem in unbeladenem Zustand das Raumangebot einer Turnhalle vorgaukelt, hat dann doch ein begrenztes Ladevolumen. Da half es auch nichts, dass mein Wägelchen noch bis auf den letzten Quadratzentimeter vollgeladen wurde. Planänderung: Zurück in den Schwarzwald, abladen und nochmal her. Und wo war der Typ mit dem Bett? Anrufen! Er findet die Adresse nicht und stand irgendwo auf einem Feldweg. Ich habe ihn dann gelotst und irgendwie hat er es dann doch hinbekommen, stand dann hinter dem Haus. Dann wollte er auch noch handeln. Ok, damit hatte ich eh gerechnet (Teil meiner Kalkulation) und bin ihm noch etwas entgegengekommen, Hauptsache, das Ding ist weg, Alle raus und ab auf die Autobahn. Nun ist es aber halt auch so, daß die Fahrt in den Schwarzwald etwas dauert, genauer gesagt, gut 2 ½ Stunden. Dann ausladen und zwar alles in die Apotheke und dann mit meinem Sohn wieder zurück ins Kraichgau. Plan war: 19 Uhr Sprinter zurück zur Autovermietung. Realität: 18:00 zweite Tour. Ca. 20 Uhr dort angekommen, Rest laden und zurück. Am Ende waren wir gegen Mitternacht zurück. Den Lieferwagen habe ich dann morgens um 6:30 Uhr noch vollends entladen. Tanken, zurück zur Autovermietung und 7:59 Uhr dort abgeliefert. 

Dass der Plan vorsah, dass die Kisten sortiert und bereits nach Apotheke und Privatwohnung verteilt wurden, war so nicht wirklich umgesetzt worden. Eine Offizin, die mit Kisten und Regalen vollstand. Ich wusste erst mal nicht, wie ich anfangen sollte.

 

Termine, Termine, Termine

Selbstverständlich hatte ich bereits im Januar schon wieder gut zu tun und war viel unterwegs. Die weiteren Arbeiten in der Apotheke konnten so immer nur am Wochenende und einzelnen Tagen in der Woche gemacht werden. Februar ging es grad so weiter und meine Planung sah auch vor, dass Installationen und Vor-Ort-Termine in Hamburg und Umgebung Anfang März stattfinden sollten. So der Plan. Die Realität: Diagnose am 2. März: Covid 19 positiv. Zwei Wochen Käfighaltung. Sagen wir mal so: gut zum Runterkommen, aber meine Planung war dahin.

 

Galerie:

Für diesen mehr als 7m langen Flur war mein Plan, eine kleine Galerie einzurichten. Der Zustand: geht so, wäre schlicht übertrieben gewesen. Aber nichtsdestotrotz hatte ich mir das in den Kopf gesetzt. Erst einmal musste das ganze Gerümpel, nicht von mir übrigens, entfernt werden, was dann auch geklappt hat. Die Fliesen, selbst gereinigt, waren gänzlich ungeeignet. Also was tun? Aufgrund der Akustik entschied ich mich, einen Teppichboden zu verlegen. Genau den, den ich zwei, drei Wochen vorher im Baumarkt gesehen hatte. 3m breit, wenig Verschnitt, preisgünstig  und perfekt geeignet um auch die hallige Akustik zu in den Griff zu bekommen. 

Wie wars? Ich zum Baumarkt, der, und das war mein Riesenglück, trotz Lockdown, für Gewerbekunden, geöffnet hatte. Ab in die Teppichbodenabteilung. Der Bodenbelag, den ich mir ausgesucht hatte, war abverkauft, konnte auch nicht mehr nachbestellt werden. Planänderung also: Anderer Bodenbelag, auch schick, aber teurer und jetzt allerdings 5m breit. Bei 2,8m benötigter Breite ziemlich viel Verschnitt. Jeder, der schon einmal Teppichboden verlegt hat, weiß, dass es die Sache nicht gerade erleichtert, wenn man ein Monster von 7,5m x 5m in einen Gang mit 7,2m x 2,8m einpassen muss. Einen Vorteil hatte das: Den Rest konnte ich für einen anderen Raum, die Lounge, verwenden. 

Fotowerke für die Galerie:

So ein wenig wusste ich ja, was meinen „Fans“ so gefällt, so manche Leinwände habe ich ja auch schon online verkauft. Also dürfte es doch ein Leichtes sein, die passenden Werke für die Galerie auszusuchen. Das war der Plan. 

Wie wars? Ich hatte die Qual der Wahl aus über 900 vorselektierten Fotos etwa 40 auszuwählen. Ein ganzes, verregnetes Wochenende habe ich damit verbracht. Das Ergebnis: geht so 😉, seht selbst. 

Wie ich heute früh damit begonnen habe, über meine Pläne und deren Realisierung nachzudenken, sind mir noch viele weitere eingefallen. Vielleicht berichte ich auch noch darüber. Zum Beispiel, dass man in altem Gemäuer nicht einfach mal so, ein Loch in die Wand bohrt, um ein Netzwerkkabel zu verlegen oder dass die Elektrik, gewissermassen organisch gewachsen, nicht ganz einfach zu durchschauen ist. Vielleicht doch ein Buch?

Ich hoffe, Ihr hattet ein schönes, sonniges Wochenende und erfreut Euch bester Gesundheit.

Demnächst mehr… vielleicht interessiert es Euch ja, wie das Ganze jetzt fertig aussieht. 

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14 Gedanken zu „Große Pläne und der Teufel im Detail

      1. Ja, es liest sich sehr fluffig, aber die Zeit und die Arbeit, die in dem ‚Umzug‘ stecken, sind schon zu bemerken. Und deine Gelassenheit im Umgang damit ist bewundernswert. 🙂 Viel Erfolg mit dem neuen Arzneigeschäft…

        1. Tja, manches ist oder wird halt so. Manches wäre vermeidbar, „Termintreue“ vorhersehbar und anderes Schicksal. Hinnehmen, Demut zeigen und sich darüber freuen, was alles geklappt hat…
          Allerdings, Arznei verkaufe ich nicht, nicht mal unterm Ladentisch 😉

            1. Ich habe nur eine ehemalige Apotheke als Showroom und Büro umgebaut. Schau mal auf av-profi.com, da bekommst Du eine Idee, was ich so mache, wenn es Dich interessiert
              Liebe Grüsse
              Thomas

              1. Upps, das muss mir irgendwie durchgegangen sein))) Danke fürs Klarstellen! Und später schaue ich mal, was sich hinter der ‚Adresse‘ befindet! 🧐 LG

                1. Kein Ding. Üblicherweise trenne ich ja auch Job und Privat… Liebe Grüsse aus der Alten Apotheke, die gar keine mehr ist 😀

  1. Hey Thomas, das liest sich doch total chillig 🤓, aber Du machst es ja richtig spannend – Schramberger Tatort sozusagen 😉. Schönen Abend Dir 🙂

    1. Wenn man vorher schon über lichtes und graues Haupthaar verfügt, merkt man das daran erst mal nicht, was ich da alles durchgemacht habe. Jetzt, rückblickend, kann ich darüber lachen. Fortsetzung kommt Dienstag 😉
      Liebe Grüsse
      Thomas

      1. Ich freu mich, auf Dienstag, über mein noch vorhandenes Haupthaar 😎 und darüber, dass wir alle zumindest den Humor immer wieder finden. Und: „Ohne Kaffee ist dieser Wahnsinn nicht zu ertragen“ – steht gerade als Leitspruch auf meiner Tafel im Foyer 😉 – passt, würde ich mal behaupten 😆🤣.

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