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Kleingespräch

Heute ist der Tag des, aufpassen: der Tag des Small-Talks. Es gibt ja eigentlich jeden Tag einen Tag des, der, irgendwas. Ich weiss das von Alexa. Die verrät mir Dinge, die man erstens gar nicht wissen will und ohne jeglichen Belang sind. Aber so isse halt. Alexa ist, denke ich, auch so ein Small-Talker und wenn Du sie mal was wirklich wichtiges fragst, hat sie keine Antwort. Soweit zum Thema künstliche Intelligenz. Ich schweife ab. Vielleicht gibt es ja demnächst den Tag der KI. Dann werde ich über meine kleinen Besatzer auf dem Schreibtisch berichten.

Jetzt aber zu unserem heutigen Tag des Smalltalks. Wie gehts? Boah, wie mich das bei den Amis nervt. „How R U“. Wildfremde Menschen, die es auch gar nicht interessiert, wie es mir geht. Smalltalk eben.

Ich denke, jeder hat schon die Situation erlebt, dass man privat oder beruflich zusammensitzt und plötzlich diese Stille. Keiner sagt was. Zum Glück gibt es dann immer Jemand (m/w/d), der die Situation rettet und das Wetter erwähnt. Das Wetter muss bei mir auch immer herhalten, wenn ich ganz unbemerkt und geschickt das Thema wechseln will. Funktioniert. Manchmal. Na ja, eigentlich selten.

Smalltalk soll die Atmosphäre lockern und eine Beziehung zum Gegenüber aufbauen. Funktioniert. Manchmal. Wenn man nicht die Fehler macht, die manche Zeitgenossen (m/w/d) immer wieder machen. Zum Beispiel über Fußball reden, der vergangene Spieltag oder den Lieblingsverein. Ich wäre da schon mal komplett raus, hab sowas von keine Ahnung davon. Über Musik? Nicht jeder mag diese Volksmusik-Schwachköpfe. Oder die Oper. Religion? Politik? Da würde ich auch mal eher abraten. Aber man kann beruhigt sein, es wird in einer Runde ganz bestimmt einen Gesprächspartner (m/w/d) geben, der sich am Liebsten selber reden hört. Bingo.

Geht Euch dieses (m/w/d) eigentlich auch so auf die Nerven? Und es gibt die, die eh nicht zuhören und in Gedanken ganz woanders sind. Ratschläge und oberlehrermässiges Geschwafel passt da auch nicht hin. Ach ja und die, die gar nicht mehr aufhören mit Smalltalk und dann noch ihre ältesten Witze erzählen, die auch beim 10. Mal nicht besser werden.

Irgendwann darf man auch mal auf den Punkt kommen. Passiert auch in Meetings, in denen hochbezahlte Kompetenzen sitzen.


Auf einer Seite habe ich einen ganzen Katalog mit Fragen gefunden, die man verwenden soll, um mit einem gepflegten Smalltalk zu starten. Achtung, geht los. (In kursiv meine möglichen Antworten…)

Würdest du lieber extrem intelligent sein oder extrem gut mit Menschen umgehen können?

Schliesst das eine das andere aus?“

Wärst du lieber weniger attraktiv und steinreich oder extrem gutaussehend, aber dafür arm?

„Hmm, ich musste mich noch nie damit auseinandersetzen. Bin reich und extremst gutaussehend, oder etwa nicht?

Gibt es etwas, wovon du schon lange träumst, dich aber noch nicht getraut hast, es zu tun?

„Ja, gibt es“. und dann haben wir diese Stille 😉

Hast du Wurzeln aus fremden Ländern?

Ich denke: „Hab ich nen Nazi vor mir?“ Vorsichtshalber sag ich: „Nö“

Wenn es eine persönliche Flagge für dich gäbe, wie würde sie aussehen?

Mein Logo“ – was ist das eigentlich für ne Frage? Kommt die Frage aus der Förderschule für künftige Diktatoren?

Was verwundert dich häufig bei anderen Leuten?

„Doofe Fragen“

und davon gibt es noch gut 250 mehr… ist das Quatsch, oder nicht?


Ich glaube, jeder, der einigermassen empathisch ist, Menschen ein wenig beobachten kann und vor allem zuhören kann, braucht keinen Leitfaden für ein Gespräch.


Einen wunderschönen Abend Euch!

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6 Gedanken zu „Kleingespräch

  1. „How R U“.
    Das ist eben, genau wie das „How do you do?“ bei den Briten, mehr oder weniger zu einer blossen Begruessungsformel geworden. Aber trotzdem: diese Art von Small Talk, immer freundlich, gefaellt mir hierzulande sehr gut. Im Gegensatz zu Deutschland, wo das Service-Personal durchaus muffelig sein kann, fuehle ich mich hier immer als wertgeschaetzter Kunde behandelt. Und der Durchschnittsamerikaner, so wie ich ihn kenne, ist auch immer freundlich und zuvorkommend.

    1. Lieber Pit, wenn ich drüben bin, schätze ich das auch. Nur manchmal, früh morgens, vor dem ersten Kaffee, kann das auch nerven. Ansonsten bin ich bei Dir. Aber es ist in Deutschland auch nicht überall so trübe. Manche haben es nie verlernt oder wieder neu entdeckt, dass der Gast König ist.
      Liebe Grüsse
      Thomas

  2. Smalltalk… Kommt immer auf die Situation an. Wie Pit sagte, ist es als freundliche Begrüßung gedacht – gerne. Aber sonst? Nerv. Ein wenig Smalltalk ist nicht verkehrt. Zum Abtasten der Stimmung, manchmal auch der (emotionalen) Intelligenz des Gegenübers 😉 Menschen die dauerhaft nichts als Smalltalk können finde ich sehr anstrengend und genieße dann lieber die Stille 😉 Liebe Grüße, Frauke

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