Die Kiste Teil 2

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Nachdem ich eine Kurzgeschichte zu Writing Friday beigetragen habe und das Ende offen gelassen habe, nun eine Fortsetzung…


Die Kiste Teil 2

Ich schaue ihr noch nach, wie sie das Café verlässt. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt. Sie sagte ja auch, dass sie gleich zum Laden zurückgehen wollte, dazu verlässt sie das Café aber in die falsche Richtung. Dieser Geruch, er geht mir nicht mehr aus der Nase. Irgendwoher kenne ich den, kann ihn aber nicht zuordnen.

In dem Moment wie ich meine Rechnung bezahle, draußen auf der Strasse noch mehr Lärm, Schreie. Irgendetwas scheint passiert zu sein. Ich ziehe meine Jacke an und gehe hinaus. Eine ganze Menschentraube hat sich auf der Strasse versammelt, es fällt mir schwer wahrzunehmen, was passiert ist. Da sehe ich Sue auf der nassen Strasse liegen, sie blutet am Kopf. Offensichtlich ist sie von einem Auto angefahren worden. Ich versuche herauszufinden, was passiert ist. Passanten erzählen etwas von einem Streit, dass ein Mann der Frau irgendetwas entrissen hat und sie dann auf die Straße gestossen hat. Sirenengeheul, Polizei und ein Krankenwagen bahnt sich den Weg durch den Mittags-Stau. Ich versuche an Sue heranzukommen und wie es mir gelingt, sehe ich, dass sie wirklich schwer verletzt worden sein muss. Sie ist bei Bewusstsein und wie sie mich sieht, haucht sie:

„Die Münze, Tom, er hat sie mir gestohlen, die Münze…“

Sanitäter kümmern sich sofort um sie. Ein Polizist versucht mit ihr zu sprechen. Sie schweigt. Er durchsucht Ihren Mantel und die Tasche, die sie bei sich hatte.

Ein anderer Polizist spricht mich an:

„Sir, kennen Sie die Frau?“

„Kennen wäre zuviel gesagt, wir haben uns eben getroffen und einen Kaffee miteinander getrunken“

„Ist das Ihre Visitenkarte?“

„Ja“

„Dann sagen Sie mir bitte, was sie mit ihr zu tun haben. Mich würde interessieren, in welcher Verbindung mit ihr stehen. Ausweis bitte!“

Ich habe ein ungutes Gefühl. Sue wird versorgt und ins Krankenhaus gefahren. Sie ist weg. Ich stehe mit dem Polizisten und zwei anderen Kollegen da und habe immer mehr den Eindruck, dass etwas nicht stimmt. Ich gebe dem Officer meinen Ausweis.

„Ich habe nichts mit ihr zu tun, ich habe die Frau zufällig getroffen und wir haben uns spontan zu einem Kaffee verabredet.“

„Mr. Schneider, wir haben Ihre Karte bei der Frau gefunden. Was machen Sie beruflich?“

„So wie es auf der Karte steht, ich bin Marketing-Berater“

„Was tun sie hier? Urlaub oder geschäftlich?

Er notiert sich meinen Namen und mehr Informationen von meinem Reisepass und gibt die Notizen einem Kollegen.

„Ich bin geschäftlich hier, berate einen Mandanten“

„Hier ist meine Karte, Mr. Schneider. Kommen Sie bitte heute noch aufs Revier, bis 6 PM, wir brauchen Ihre Aussage“

„Wo bringen Sie die Frau hin?“

„Das dürfen wir Ihnen nicht sagen oder sind Sie Angehöriger?“

„Nein“

Der Polizist, Sergeant Mc. Courtney, dreht sich um und befragt weitere Passanten. Ich weiss nicht, was ich von der ganzen Sache halten soll. Offensichtlich ist Sue wegen der Münze angegriffen worden und dann auf die Strasse gestossen worden. Furchtbar das alles.

„Ach, Mr. Schneider. Was haben Sie da in der Plastiktasche?“

„Eine Holzkiste…“

„Darf ich sie mal sehen?“

„Natürlich“

„Wo haben Sie die her?“

„Von einem kleinen Laden da vorne in der Gasse“

„Haben Sie mir bitte den Kaufbeleg?“

„Nein, ich habe keinen bekommen.“

„Mr. Schneider, da haben wir ein paar Ungereimtheiten. Würde es Ihnen etwas ausmachen, wenn Sie uns gleich aufs Revier begleiten? Steigen Sie ein bitte!“

Und wie ich mich versehen kann, sitze ich im Streifenwagen und sehe, wie mir die Passanten nachschauen.

„Wir fahren jetzt erst mal zu dem Geschäft, wo sie die Kiste gekauft haben. Wo war der Laden?“

„Hier um den Block und dann die kleine Gasse rechts rein, nach dem Walmart.“

An der Gasse angekommen, öffnet sich die Tür und der Sergeant bittet mich auszusteigen. Nach ein paar Schritten kommen wir an dem Laden an. Geschlossen! Über Funk fragt er nach dem Ladenbesitzer und einer Telefonnummer und erfährt, dass der Laden schon gut ein Jahr geschlossen haben soll, soweit ich das verstehen kann.

„Und das war ganz sicher dieser Laden?“

„Ja, wenn ich es Ihnen sage!“

„Mr. Schneider, wir haben ein Problem. Dieses Geschäft ist schon über ein Jahr geschlossen, weil der Inhaber verstorben ist.“

„Aber wenn ich’s Ihnen sage. Da sass ein Inder und hat mir diese Holzkiste verkauft!“

„Immer mehr Ungereimtheiten, wir fahren jetzt aufs Revier.“

Wir gehen zum Wagen zurück, der Officer ganz nah bei mir, als ob er Angst hätte, ich würde fliehen wollen. Zum Polizeirevier. Ich nehme mein Telefon aus der Tasche um einen Geschäftspartner anzurufen und den Lunch mit ihm abzusagen.

„Kein Telefon hier“

„Aber ich muss ein Mittagessen absagen!“

„Jetzt wird nicht telefoniert!“

Der Ton wird schärfer. Wo der Sergeant vorher noch freundlich war oder sich zumindest bemühte, wurde er jetzt energischer.

„Geben Sie das Telefon… bitte!“

„Muss ich das?“

„Ich bitte SIE darum“

Ich gebe ihm mein Smartphone.

„Sie bekommen es nachher wieder zurück.“

An der Polizeiwache angekommen, wird mir wieder die Türe geöffnet und beide Polizisten begleiten mich in einen muffigen und dunklen Verhörraum und lassen mich zunächst alleine da sitzen. Ich weiss nicht, was als nächstes passiert. Fühle mich sehr unwohl…

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Photo by Burak Kebapci on Pexels.com


Das schreit nach einem dritten Teil… kommt! 😉

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