Alles Anders – die ganze Geschichte

Meine Kurzgeschichte wurde dann ja doch zu einer Längeren. Zwölf Teile waren es dann doch und eine Fortsetzung? Ja, daran schreibe ich derzeit mit einer richtigen Software, mitbedenkt man Bücher schreibt 😉

Für Euch, wenn ihr mal viel Zeit habt, quasi der „Director’s Cut Extended“


Alles anders

Es war ein kühler und wechselhafter Tag in Hamburg. Sonne und Regen im Stundentakt: ein Sommertag im Juli. Er stand am Fenster seines Hotelzimmers, schaute hinaus, der Michel ragte über die Häuserfronten. Schon wie er am Nachmittag aus dem Flieger ausstieg, das komische Gefühl, dass irgendetwas anders ist. Den ganzen Tag über hatte er über den Traum, der ihm in Erinnerung geblieben war, nachgedacht. Was war das? Er war sich seiner Sache plötzlich nicht mehr so sicher. Dass es mit seiner Beziehung schon länger eher schwierig war, das hing wie ein Damokles Schwert über ihm. Eine Entscheidung war längst überfällig. Vielleicht war dieser wirre Traum ein Zeichen?

Sein Job, Verkaufs- und Projektleiter für große, internationale Kunden, der machte ihm schon seit längerem keinen richtigen Spaß mehr: Die Leidenschaft war ihm irgendwann ganz schleichend abhandengekommen und das Gespräch, welches er am späten Nachmittag mit seinem Chef haben sollte, war schon länger geplant und jetzt dann doch sehr schnell zustande gekommen. Auch das beschäftigte ihn.

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Noch gut eine Stunde bis zu diesem Gespräch. Er war bestens vorbereitet, hatte seine Strategie nochmals in Nachtarbeit verfeinert und fühlte sich gut vorbereitet, die nächsten Projekte mit diesem Großkunden in der Hansestadt ebenfalls betreuen zu dürfen. Davon hing einiges für ihn ab, sicherten diese Projekte doch seine berufliche Zukunft und den Lebensstandard, den er halten wollte. In den letzten Minuten vor dem Gespräch packte er seine Unterlagen zusammen. Er fragte sich, warum das Treffen in Hamburg anberaumt wurde, den die Konzernzentrale doch 400 km entfernt in Düsseldorf. Vielleicht hatte sein Chef ja einen Termin zusammen mit dem Kunden aus Hamburg arrangiert? Er fühlte sich nicht besonders wohl, konnte aber nicht genau bestimmen, woher dieses Gefühl kam.

Jetzt stand ihm erst mal das Gespräch mit seinem Chef bevor, den er ja schon seit 12 Jahren kannte, und der nicht nur sein Chef, sondern auch sein Freund war.

Die beiden Weggefährten trafen sich in der Hotellobby. Als er aus dem Aufzug trat, wartete sein Chef schon auf ihn. Sie begrüßten sich überraschenderweise eher reserviert. Keine herzliche Umarmung, wie sonst üblich. In letzter Zeit trafen sie sich immer weniger und wenn, dann auch nur noch bei besonderen geschäftlichen Terminen. Sein Chef machte einen bedrückten Eindruck und begann das Gespräch mit einem: „Schön, Dich zu sehen, wie geht es Dir?“

„Es geht mir gut. Danke.“

Beiden war bewusst, dass Smalltalk nicht angesagt war, also machte er den ersten Schritt und fragte ganz direkt: „Was ist der Grund, dass wir uns heute in Hamburg so überraschend treffen?“

Sein Chef machte einen nachdenklichen Eindruck und er merkte, dass er nicht wusste, was und wie er antworten sollte.

„Manchmal ist es besser, sich an einem neutralen Ort zu treffen. Schön, dass es bei Dir mit diesem kurzfristigen Termin geklappt hat.“

Sie setzten sich an einen Tisch im Restaurant, an dem sie sich in aller Ruhe unterhalten konnten, bestellten etwas zu trinken und sahen sich erst einmal bedrückende Minuten stumm an. Schließlich holte sein Chef Luft und führte aus, warum man sich getroffen hatte. Zunächst einmal berichtete er vom Konzernumbau: Junges Blut, was man sich in das Management geholt hatte. Er sprach von neuen Strategien, die er ja auch über die internen Berichte mitbekommen haben sollte. Schon lange hatte er die internen Erfolgsmeldungen und Selbstbeweihräucherungen nur noch überflogen …

Sein Chef sagte aber auch, vielleicht um sich keine Blöße zu geben, dass er selbstverständlich mitbekommen hätte, was da alles vor sich ginge, und es ja auch nötig wäre, sich der sich verändernden Geschäftswelt anzupassen. Dass allerdings der Vertrieb komplett umgebaut werden sollte, davon stand nichts in den internen Mitteilungen und auch, dass auch dieser verjüngt werden sollte, das erfuhr er jetzt von seinem Chef. Er wusste genau, was das hieß, ohne nachzufragen. Stille! Eine gefühlte Ewigkeit!

Er hatte vergessen, sein Handy auf stumm zu schalten und so wurde die Stille von einer Nachricht seiner Partnerin unterbrochen: Warum meldest Du Dich nicht? Was ist denn los? Ruf mich an!, stand da auf seinem Display. Er las die Meldung und sein Chef bemerkte, dass er dadurch kurz abgelenkt war, und fragte: „Wichtig?“

Er schüttelte leicht den Kopf und meinte nur: „Das Übliche, kein Problem und wichtig schon mal gar nicht. Sorry für die Störung, aber was heißt das denn jetzt für mich?“

Es wurde noch einmal die Geschichte vom Konzernumbau und die Neuausrichtung des Vertriebs wiederholt, und dass man verdiente Mitarbeiter ja auch zu schätzen wüsste. Das alles klang wenig überzeugend und hohl in seinen Ohren. Er musste die Frage nochmals stellen, um das ganze Heranführen an ein Thema, welches er so sicher nicht hören wollte, dann doch besprochen werden musste. Sein Chef meinte, dass dadurch natürlich niemand entlassen werden müsse aber sich für ihn doch einiges ändern würde. Man wolle, dass er ein Team von Junior Projektleitern in der Konzernzentrale in Düsseldorf leitete. Kein Außendienst mehr.

„Männer in unserem Alter wollen doch auch mal einen festen Bezugspunkt haben, nicht in aller Welt unterwegs sein und von einem Hotel zum nächsten zu reisen, oder?“

Wieder diese Stille. Er musste dazu auch gar nichts sagen. Er wusste sofort, dass das, was ihm sein Chef ihm jetzt eröffnete, gar nicht mehr zur Diskussion stand, sondern er so schnell als möglich in den Innendienst versetzt werden sollte. Seine Freiheiten, die er genossen hatte, sollten einem Nine-to-Five-Job weichen? Er war seit über 20 Jahren für diese Firma, die mit 50 Mitarbeitern begonnen hatte, dann im Zuge der sogenannten Globalisierung von einem international tätigen Konzern gekauft, nein, eher geschluckt wurde, im Außendienst tätig. Hatte den direkten Kontakt zu seinen Kunden und genoss das. Er bemerkte zwar auch, dass es mit zunehmenden Alter anstrengender wurde, aber ins Büro wollte er eigentlich nie zurück. Und jetzt wurde er erst gar nicht danach gefragt, ob das für ihn überhaupt in Frage käme. Er wurde vor vollendete Tatsachen gestellt.

Nach ein paar Minuten wurde die Stille abermals durch seinen Chef unterbrochen, beide schauten sich an.

„Mein lieber Klaus, ich muss Dir auch sagen, dass es da in letzter Zeit einige Ungereimtheiten gab. Eine anonyme Email an den Vorstand und Kritik an deiner Einstellung zum Job. Ich hab dich immer verteidigt, aber jetzt mit dem ganzen neuen Management, habe ich da wenig Argumente, warum du weiter im Außendienst tätig sein solltest. Ich werde auch nicht länger dein Vorgesetzter sein. David, ein hervorragender Mann mit Harvard Business Abschluss wird künftig President Sales and Marketing und du wirst seinem Teamleiter unterstellt sein. Ich werde künftig als President International Strategy im Management sitzen.“

In Sekundenbruchteilen wurde ihm klar, warum sich sein Chef und Freund sich so plötzlich von ihm distanziert hatte und nur noch, wenn überhaupt, sich mit ihm in größerer Runde zu den Meetings traf. Da war einiges im Hintergrund gelaufen. Dieses ungute Gefühl, welches er seit geraumer Zeit hatte, bestätigte sich jetzt. Er versuchte, das, was ihm innerhalb von Minuten passiert war, in Worte zu fassen, doch eine Zusammenfassung fiel ihm schwer.

„Lass mich das einfach noch einmal für mich zusammenzufassen, mein Freund. Wenn ich das jetzt richtig verstanden habe, hast du deine Schäfchen ins Trockene gebracht, mich im Unklaren gelassen und zugelassen, dass man mich aufs Abstellgleis stellt, richtig?“

Sein Chef machte einen sehr ernsten Gesichtsausdruck und meinte nur, dass man das so nicht sehen könnte. Er hätte als Teamleiter doch jetzt ganz neue Möglichkeiten. Seine jahrelange Erfahrung könnte er endlich auch einmal an jüngere, hungrige Menschen im Team weitergeben. Und außerdem solle er besser aufpassen, dass er sich jetzt nicht im Ton vergreife.

„Ok, ich habe jetzt hier gar keine Möglichkeit, das mit dir zu diskutieren, es ist wohl auch schon alles entschieden, oder?“

Sein Chef meinte:“Ja, das ist jetzt so, ab dem nächsten Ersten, erwarten wir dich in deinem neuen Büro in Düsseldorf und glaube mir, ich habe sehr für dich gekämpft!“

In diesem Moment sah er, dass seine Partnerin versucht hatte, ihn anzurufen, er drehte das Handy um … Es war alles entschieden!

„Den neuen Vertrag habe ich gleich mitgebracht Alles, was fehlt, ist deine Unterschrift und ich würde das heute gerne mit dir gleich wasserdicht machen“.

Er überlegte kurz, irgendwie war das alles zu viel für ihn, er hatte gar keine Möglichkeit als … Das schoss ihm jetzt durch den Kopf und er sprach es offen aus: „Peter, wir kennen uns nun schon so lange, ich hätte nie geglaubt, dass das wirklich mal ein Thema würde. Du hast mich für Deine eigene Karriere einfach fallenlassen. Du wirst von mir keine Unterschrift bekommen, ich werde kündigen.“

Sein Chef lächelte gezwungen: „Klaus, lieber Klaus, mach jetzt nichts, was du bereust, Leute in unserem Alter bekommen nicht zweimal diese Chance, die sich uns hier bietet, unterschreibe und wir schauen, dass Du zurechtkommst. Ich habe das dem Vorstand bereits zugesagt, dass du weiter am Ball bleibst.“

Was er versprochen hatte, war, dass sein alter Freund das Angebot irgendwie annehmen würde, ohne dass man hohe Vergleichszahlungen, Abfindungen und einen arbeitsgerichtlichen Prozess zu erwarten hätte.

„Ich werde mir das ja wohl überlegen dürfen, oder? Ich gebe dir bis morgen Bescheid und diese Unterlagen, die ich für dich vorbereitet habe, die kannst ja einem deiner Emporkömmlingen geben, ich werde sie wohl nicht mehr brauchen!“

Mit diesen Worten verabschiedete er sich ohne Gruß, ging er zum Fahrstuhl. Schon im Fahrstuhl war ihm klar, dass es wohl das letzte Mal war, das er mit seinem Chef, – und wie er jetzt empfand, mit seinem ehemaligen Freund, – zu tun gehabt hatte. Auf dem Zimmer angekommen, setzte er sich in den großen weichen Sessel und ignorierte weiter sein Handy und die entgangenen Anrufe von Kunden und Geschäftspartnern und vor allem die von seiner Partnerin. Er brauchte jetzt Zeit für sich. In Wirklichkeit war ihm innerhalb weniger Minuten klar, was er als Nächstes zu tun hatte.

Er zog seine Jacke an, seinen Hut und ließ das Handy einfach auf dem Schreibtisch liegen. Rüber zu den Landungsbrücken und endlich einmal diese Hafenrundfahrt genießen, die er schon immer machen wollte. Aus Pflichtbewusstsein und aufgrund eines immer vollgepackten Terminkalenders hatte er das immer wieder verworfen. Heute, nun endlich.

Ganz langsam, gemütlich spazierend, ging er zu den Landungsbrücken hinüber und begab sich dann zu einer der Barkassen, mit der er gut eine Stunde unterwegs sein würde, um den Hamburger Hafen und die Speicherstadt zu erkunden. Er freute sich darauf und es ging ihm schon besser. Er genoss die Fahrt. Der Wind war kalt in den engen Kanälen, er saß draußen, ganz allein. Hörte auch gar nicht zu, was der Kapitän an Erklärungen abgab. Es war für ihn ein Moment der Freiheit. Er sah die großen Schiffe, die ihre Last abluden oder mit Ware und Containern beluden. Er fragte sich, welches Ziel diese Schiffe wohl als Nächstes ansteuern würden, woher es kam und wie viele Menschen es wohl beherbergte. Die kleine Barkasse sah neben diesen mächtigen Schiffen wie eine Nussschale aus. Er schaute hinauf und sah einige fröhliche Menschen an der Reling stehen. Schon allein wegen des Ausblicks, den diese Menschen wohl genossen, wollte er auch da oben stehen.

Dann fuhr seine Hand in die Jackentasche und suchte vergebens nach seinem Handy, um eingegangene Emails und Anrufe zu checken. Das war fast schon eine unterbewusste Handlung. Er erschrak kurz, dann fiel ihm ein, dass er sein Handy ja im Hotelzimmer zurückgelassen hatte. Wieder so ein Moment, der bei ihm im ersten Moment Unbehagen auslöste, dann aber in Erleichterung und einer Art Freiheit mündete. Er war in Gedanken: Heute hat sich alles verändert. Alles anders – von einem auf den nächsten Moment.

Als die Barkasse wieder anlegte, begab er sich in das Portugiesenviertel und trank dort erst einmal einen trockenen Weißwein. Nachmittags Alkohol, das ging eigentlich gar nicht. Eigentlich! Er erinnerte sich an einen Freund, den er schon lange nicht mehr gesehen hatte, der ihm vor langer Zeit einmal eine freie Tätigkeit in seiner Firma als Berater angeboten hatte. Das war das, was er die letzten 20 Jahre erfolgreich gemacht hatte. Das war, was er auch die nächsten Jahre machen wollte.

Er würde ihn anrufen, das war klar. Noch am Abend, sobald er wieder im Hotel zurück war. Seiner Partnerin würde er mitteilen, dass er zunächst in Hamburg bleiben und eine Auszeit brauchen würde. Er wollte sich über alles klar werden. All das, was ihn die letzten Jahre eher belastet hatte, was ihm nicht guttat, das wollte er nun anders, besser machen.

Als er im Hotel ankam, verlängerte er seinen Aufenthalt erst einmal um eine Woche. Er bat seinen Chef per Email, ihm den noch zustehenden Urlaub zu gewähren. Seine schriftliche Kündigung avisierte er. Dann rief er seine Partnerin an und teilte ihr mit, dass er die nächsten Tage, -ja vielleicht auch Wochen – in Hamburg bleiben würde. Es gab noch so viel zu entdecken und seinen Freund rief er dann auch noch am selben Abend an. Die beiden hatten ein sehr angenehmes Telefonat. Man vereinbarte ein Treffen am nächsten Tag …

Jetzt sass er wieder in diesem Sessel in seinem Hotelzimmer. Das Telefonat mit seiner Partnerin, mit der er schon gut 8 oder 9 Jahre zusammen war, hatte ihn dann doch noch beschäftigt. Er hatte ihr erzählt, dass er gekündigt hätte, alles, was sie dazu sagte, war nicht wirklich aufbauend. Sie sprach von diesem Haus, welches sie kaufen wollten und von der Reise in die Karibik. Sie sprach davon, dass er sich das wohl nicht genug überlegt hätte und sie ja froh, wäre, einen eigenen  Job zu haben, damit sie nicht ganz ohne Geld da stehe. Er konnte dazu eigentlich nicht viel sagen und irgendwann beendete sie das Gespräch mit dem Wort „Dummkopf“. Er konnte ihr nicht einmal erklären, warum er gekündigt hatte, wieso das, was ihm sein „Freund“ Peter angeboten hatte, für ihn so nicht in Frage kam. Sollte er sie nochmal anrufen? Er ließ es jetzt einfach so stehen. Er hatte das Gefühl, plötzlich einsam zu sein.

Es kamen ihm Zweifel, ob es schlau war, den Job zu kündigen. Gab es ein Zurück? Nein, für ihn nicht. Er war sich aber bewusst, dass er gegen eines seiner eisernen Prinzipien, nämlich bei schwierigen Entscheidungen erst einmal eine Nacht darüber zu schlafen, verstoßen hatte. Vielleicht wäre der Job in der Konzernzentrale doch nicht so schlecht gewesen? Hätte er vielleicht doch noch Gestaltungsmöglichkeiten gehabt? Hätte er seiner Freundin gleich beichten sollen, dass er keinen Job mehr hatte? All das erschien ihm nicht mehr so eindeutig. Jetzt kam ihm dieser lateinische Spruch wieder in den Sinn: „Alea acta est“.

Er nahm sein Handy in die Hand, um nachzuschauen, ob sich Peter vielleicht doch nochmal gemeldet hätte. Ihn vielleicht doch noch überreden würde, sein Angebot anzunehmen. Keine Email, keine SMS. Er kauerte noch eine ganze Weile in diesem weichen Sessel, drehte ihn zwischenzeitlich so, dass er nach draußen schauen konnte. Einzelne Vögel zogen vorüber und auf der Turmuhr des Michel sah er, dass er schon fast zwei Stunden dort sass. Es wurde dunkel und ihm wurde klar, dass wohl wirklich alles anders war. Er fragte sich, ob er für das Gespräch mit seinem Freund am nächsten Tag irgendetwas vorbereiten könne. Er war es gewohnt, sich auf wichtige Gespräche vorzubereiten. Vielleicht sollte er sich erkundigen, was dessen Firma alles so machte, sie hatten sich vor ein paar Monaten bei einem Glas Wein einmal darüber unterhalten, aber ein richtig gutes Bild hatte er davon nicht. Seinen Lebenslauf auf aktuellen Stand bringen? Sich in seinen Netzwerken nach anderen geeigneten Position umschauen? Ihn überkam eine Schwere, er konnte sich zu nichts entscheiden. Noch einen Drink!

Die Hotelbar war gemütlich eingerichtet, einige Tische waren besetzt. Er war der einzige Gast, der alleine an einem Tisch in der Ecke Platz nahm. Ihm gegenüber ein Pärchen, welches sich ziemlich verliebt in die Augen sah und Champagner bestellte. Am anderen Tisch wohl zwei Kollegen oder Geschäftspartner, die sich über die erfolgreichen Geschäfte des Tages unterhielten. Ein älteres Ehepaar, welches ein paar Tage in der Hansestadt als Urlauber verbrachten. Er bestellte sich ein Glas Weißwein, die Servicekraft, eine nette, attraktive junge Frau, dem Dialekt nach, wohl aus Sachsen, fragte ihn auch, ob alles gut sei und ob er einen schönen Tag hatte. „Alles gut, Danke, mein Tag war… erfolgreich“. Diese 1-2 Sekunden Pause war für sie ein Zeichen, dass es wohl besser sei nicht nachzufragen. Sie brachte ihm seinen bestellten Wein, etwas Knabberzeug und verließ ihn auch gleich wieder mit einem „Wohlsein“.

Dieses erste Gefühl der Freiheit, die Gewissheit, das Richtige getan zu haben, wich jetzt dem Gefühl, erst einmal auf sich allein gestellt zu sein. Er hatte viel aufgegeben, von einer Minute auf die andere, das wurde ihm jetzt klar. „Bringen Sie mir bitte noch ein Glas?“ Die Bar wurde leerer, das ältere Ehepaar ging zu Bett, sie waren müde, dem Ehemann wurde untersagt, sich noch ein Bier zu bestellen. Das Pärchen kicherte noch etwas, bevor sie dann auch aufs Zimmer gingen. Die Geschäftsfreunde plauderten noch ein wenig über den nächsten Dienstwagen und dann kamen noch drei Engländer in die Bar, die, so wie er es verstanden hatte, einen sehr erfolgreichen Abschluss am Abend hatten und noch einen Absacker zu sich nehmen wollten. Er sass immer noch in seiner Ecke und prüfte ab und an sein Handy auf eingegangene Nachrichten. Sendepause…

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Als er dann so ziemlich als Letzter die Bar verließ, wusste er, dass die kommende Nacht wohl eine lange, ohne allzu viel Schlaf werden würde. Auch das kannte er schon, wenn er wieder einmal Streit mit seiner Partnerin hatte, sich ein Geschäft nicht so entwickelt hatte, wie er sich das vorstellte oder weil ihn einfach tausend Gedanken plagten. Er ging vor die Tür und beschloss noch einen Spaziergang zu machen. Es war kühl, ein kalter Wind zog um das Hotel und es musste wohl vorher erst geregnet haben. Er ging los, Richtung Innenstadt, Richtung Jungfernstieg. Spaziergänge hatten ihm immer geholfen, müde zu werden, den Kopf frei zu kriegen. Vielleicht klappte das ja auch an diesem Abend. Er lief am Fleet hinunter, der direkt am Jungfernstieg in die Binnenalster mündet. Nicht einmal das majestätisch beleuchtete Rathaus konnte er genießen.

Er drehte wieder um, über den Neuen Wall zurück zum Hotel. Es war spät, nach 1 Uhr, wie er sein Zimmer betrat. Er beschloss nun schlafen zu gehen, machte sich fertig und legte sich ins Bett.

Es war eine lange Nacht, schier endlos kam sie ihm vor. Eine fast schlaflose Nacht und jedes Mal, wenn er einschlief, träumte er wirres Zeug, um sofort wieder aufzuwachen. Er konnte sich nicht beruhigen, kam nicht wirklich zur Ruhe. Doch er musste fit sein für den Tag, der da kommen würde, für den Tag, an dem er vielleicht seine Zukunft mit beeinflussen konnte. Irgendwann war er so müde, dass er einschlief. Ein unruhiger Schlaf, aber immerhin, ein paar Stunden waren es dann doch, bis ihn der Wecker gegen 8 Uhr aus diesem unruhigen Schlaf fast schon erlöste.

Es war der Tag eins, nachdem sich alles geändert hatte. Das war ihm sofort bewusst und trotzdem war er guter Dinge, dass sich sein Leben nun ändern würde. Er stand auf und machte sich frisch. Eine kalte Dusche würde ihm helfen, wach und fit für diesen Tag zu werden. Entgegen seiner Gewohnheiten beschloss er, ausgiebig zu frühstücken. Bislang hatte er das Frühstück immer zugunsten seiner Terminplanung ausfallen zu lassen oder eben nur kurz einen Kaffee. Er hatte Zeit. Er hatte keinen Termindruck heute. Das Treffen   mit seinem Freund hatte er erst am späten Vormittag.

Er fühlte sich frisch, voll Tatendrang. Erleichtert auch auf unbestimmte Weise. Jetzt beim Frühstück wollte er dann auch ein paar Erkundigungen über die Firma seines Freunds einholen. Vorbereitet zu einem Termin zu gehen, das war er gewohnt, gab es ihm doch eine Sicherheit, die er brauchte. Als er im Restaurant Platz nahm, bestellte er sich einen Cappuccino, ging zum Buffet und stellte sich ein leckeres Frühstück zusammen. Er wollte gut gestärkt in diesen Tag starten. Seinen Laptop hatte er dabei und sein Handy war ungewöhnlich stumm. Während er sich sein Brötchen belegte, schaute er, auch das war mittlerweile zu einem Ritual geworden, welche Emails eingegangen waren. „Keine neuen Emails“, auch keine Anrufe… Es dauerte nur einen Moment, bis er bemerkt hatte, dass sein Email-Account gar nicht mehr funktionierte. „Die waren aber wirklich schnell“, dachte er. Ankommende Anrufe wurden sicherlich auch schon auf die Zentrale umgeleitet. Aber den Internetzugang hatte er noch. So konnte er sich über die Firma seines Freundes schlaumachen. Unternehmensberatung, spezialisiert auf Vertrieb und Prozess-Optimierung. „Neue Wege für den Vertrieb in Zeiten des Wandels“ war der Slogan, der ihm schon auf der Startseite auffiel. Déja Vu?

Über eine Stunde ließ er sich Zeit für das Frühstück, beschäftigte sich noch mit den Referenzen und den Dienstleistungsangeboten dieser Firma. Ihm war im Moment noch nicht klar, welches Jobangebot ihm sein Freund machen konnte und wollte. Aber er hatte ein klareres Bild von dem, was ihn erwarten würde. Im Bundesanzeiger sah er auch die letzten Geschäftsberichte ein und konnte auch so beurteilen, dass es dieser Firma ganz gut gehen muss. Alles in allem, kein schlechtes Gefühl. Er war im Bilde.

Als er zum Fahrstuhl ging, an der Rezeption vorbei, sprach ihn die nette Dame vom Front-Desk an. „Herr Wagner… ich habe eine Nachricht für Sie“.

In einem verschlossenen Umschlag überreichte sie ihm die Nachricht. Er musste den Empfang quittieren. Auf seinem Zimmer, in „seinem“ Sessel Platz genommen, öffnete er mit einer Vorahnung den Umschlag. Es war ein Fax seiner Firma, gekennzeichnet mit einem Vertraulichkeitsvermerk. Darin stand in knappen Worten, dass es ihm ab sofort untersagt sei, das Diensthandy und den Laptop weiter zu nutzen. Ein Kurier würde die Geräte noch am Vormittag abholen, er möge sie bereitstellen. Wegen der Rückgabe des Dienstwagens möge er sich umgehend in der Zentrale melden, damit ein Termin zum Ende seiner Beschäftigung zum 31.08.16 vereinbart werden könne. Auch untersagte man ihm, mit bestehenden Kunden Kontakt aufzunehmen. Sofortige Freistellung und anrechenbarer Urlaub…

Er kannte dieses Vorgehen der Firma von Kollegen, denen gekündigt wurde oder von denen, die selbst gekündigt hatten. Er hoffte dabei immer, dass er nicht einmal Empfänger einer solchen Nachricht werden würde. „So schnell geht das also, Respekt…“, dachte er. Also war er nicht mehr erreichbar, konnte auch nicht mehr telefonieren. Er startete noch einmal den Laptop und löschte private Emails und Fotos. Auch notierte er sich die Adresse der Firma seines Freunds und schrieb sich ein paar wichtige Telefonnummern auf, die ihm vielleicht ganz nützlich sein könnten. Er hatte seit Jahren keinen eigenen PC mehr und das private Handy längst stillgelegt.

Er packte die Geräte zusammen und gab sie an der Rezeption ab. Er hinterließ einen Vermerk, dass der Kurier den Empfang bitte bestätigen möge. Ein komisches Gefühl, er war über 20 Jahre für diese Firma tätig und innerhalb ein paar weniger Stunden war er raus! Da er jetzt noch etwas Zeit hatte, beschloss er, einen Spaziergang zu machen um dann vom Rathaus oder Jungfernstieg mit einem Taxi zu seinem Freund zu fahren.

Die Firma seines Freundes war im Stadtteil Winterhude nahe dem gleichnamigen Stadtpark. Ein repräsentatives Firmengebäude mit hellem Eingangsbereich und einer netten jungen Frau am Empfang, bei der er sich anmeldete. Fast wäre ihm der Name seiner ehemaligen Firma bei der Vorstellung rausgerutscht. Man bot ihm einen Kaffee an und bat ihn in der gemütlichen Sitzecke Platz zu nehmen.

Sein Freund, Frank, der Geschäftsführer dieser Firma mit fast 200 Mitarbeitern mit fünf   Niederlassungen in Deutschland und Österreich holte ihn persönlich ab. Sie begrüßten sich herzlich. Die beiden Freunde, die sich etwas aus den Augen verloren hatten, beschlossen, einen Spaziergang durch den Stadtpark zu machen, um sich in Ruhe unterhalten zu können. Das Wetter war angenehmer an diesem Vormittag. Erst erzählten die beiden Freunde, wie es ihnen nach dem letzten Treffen privat erging. Redeten über ihre gemeinsame Studienzeit und was das für eine verrückte Zeit war, damals in München. Dann musste Klaus erzählen, wie es ihm erging, was er bislang gemacht hatte und wie er sich fühlte. Immer noch sehr professionell, wie er es gewohnt war und immer noch sehr respektvoll von seinem bisherigen Arbeitgeber sprechend.

Dann sagte Frank: „Gewiss hast Du Dich ja schon über uns informiert, welche Informationen brauchst Du noch von mir? Ich weiss, welche Umstrukturierungen in Deiner Firma gerade vor sich gehen und kann mir auch vorstellen, dass es, da noch ganz andere treffen wird.“  Klaus war etwas erstaunt, hatte er doch erst gestern Abend davon erfahren. „Woher weißt Du was meine Firma, meine ehemalige Firma, gerade alles tut?“ Frank erzählte ihm von einem Projekt, welches er und sein Team im Auftrag des Mutterkonzerns von Klaus begleiten sollte, es aber dann nicht zu einem Auftrag kam, weil die Erwartungen des Konzerns nicht mit der Philosophie von Franks Firma übereinstimmten. Frank wusste also viel mehr, wie er am Telefon sagte. „Dass sie dich jetzt auch aus dem Projektvertrieb raushaben wollen, damit habe ich nun wirklich nicht gerechnet, aber gut für uns. Ich glaube, Du würdest als Senior-Project-Manager gut zu uns passen!“  Frank erzählte, dass Klaus‘ Erfahrung und sein Netzwerk sehr nützlich wären, für ihn selbst und die Firma. Klaus sollte ein Projektteam leiten, welches internationale Aufträge abwickele. Er sei dann für die Anbahnung von Geschäften verantwortlich. „Den Sack machen dann unsere hungrigen Junior Verkäufer zu. Wenn Du möchtest, lasse ich Dir mal einen Vertragsentwurf zukommen“ Klaus fragte dann noch, ob es eine Festanstellung wäre oder eine freie Mitarbeit mit Beratervertrag. Frank stellte es ihm frei, wobei er Klaus lieber fest in der Firma hätte. Damals, wie sie sich unterhalten hatten, war ja nur von einer freien Mitarbeit die Rede, das schien jetzt keine Option mehr zu sein.

Nach etwa einer Stunde waren die beiden wieder am Firmengebäude zurück und verabschiedeten sich herzlich. Frank versprach, Klaus noch am Nachmittag eine Email mit den Rahmenbedingungen und einem Vertragsentwurf zukommen zu lassen. Die Handynummer würde Klaus nachreichen.

Klaus beschloss, ein Stück zu Fuß zu gehen und sich ein Geschäft mit Computer- und Handyabteilung zu suchen. Er musste ja schließlich wieder erreichbar sein und viele Dinge regeln. Bislang reichte immer ein Anruf in der IT-Abteilung und er wurde versorgt. Auch den Vertragsentwurf würde er ja innerhalb weniger Stunden erhalten.

Es war viel passiert, innerhalb nicht mal 24 Stunden.

Im Stadtteil Winterhude fand er ein kleines Einkaufszentrum. Einen Elektronik Fachmarkt steuerte er direkt an, war aber mit der „Fachberatung“, sofern man sie so überhaupt nennen konnte,  unzufrieden. Er verließ das Geschäft wieder. Dann fiel ihm ein, dass er sich schon immer einmal in einem Apple Store beraten lassen wolle. Bislang hatte die firmeneigene IT immer die Geräte gestellt, er hatte keinen Einfluss darauf. Jetzt wollte er sich das kaufen, was ihm gefiel. Also rein in das nächste Taxi und zum Jungfernstieg in diesen hellen, freundlichen Apple Store, den er immer nur von außen sah, nie die Zeit hatte, sich in diesem Geschäft umzusehen.

Er wurde freundlich begrüßt und gefragt, ob man ihm helfen könne. Er teilte dem netten jungen Berater mit, was er brauchte und ihm wurde sofort geholfen, so wie er es auch nicht erwartet hatte, nach der Erfahrung im letzten Geschäft, war er mehr als positiv überrascht. Schnell fand man die für ihn passende Lösung. Ein schönes Notebook, ein Tablet und ein brandneues Mobiltelefon, auch gleich mit dem entsprechenden Vertrag, sodass er innerhalb einer Stunde auch wieder kommunizieren konnte. Er ließ sich von einem anderen Berater die nötige Software installieren, sich in deren Nutzung einführen und war sich sicher, dass er damit einen sehr guten Kauf gemacht hatte. Das Erste mal auch, dass er nicht rechnen würde, das war die Lösung, die für ihn die Passende war. Geld war in den letzten Jahren auch nie wirklich ein Thema, hatte er bislang immer sehr gut verdient. Er hatte bislang eigentlich immer nur das Problem, dass er gar keine Zeit hatte, Geld auszugeben. Seine Partnerin erledigte das für ihn.

Nach etwa zwei Stunden verließ er durchaus zufrieden das Geschäft und machte sich auf den Weg zu seinem Hotel. In den Arkaden am Jungfernstieg ass er noch eine Kleinigkeit, er genoss das Gefühl, sich auch etwas treiben lassen zu können. Keine Termine, Zeit für sich.

Im Hotel angekommen, stellte er fest, dass seine neue Rufnummer bereits aktiviert war. Er richtete sich seine neuen Geräte fertig ein und teilte seinen wichtigsten Kontakte seine neue Mobiltelefonnummer mit. Frank, der Geschäftsführer, der Firma, für die er vielleicht demnächst arbeiten würde, zuerst. Auch seiner Partnerin teilte er diese neue Nummer per What’s App mit, verzichtete aber auf die Grüße, die er sonst immer hinterließ. „Liebe Grüße“ und „Ich vermisse Dich“ schien ihm nicht mehr angebracht. Als Nächstes war die Einrichtung des Email-Accounts dran, er war erstaunt, wie schnell und unkompliziert das alles funktionierte. Die Erläuterungen im Geschäft waren ausreichend. Allzu viele Emails hatte er nicht erhalten, viel Werbung und die Mail von Frank, auf die er wartete, war noch nicht eingetroffen. Jetzt ging er daran, seine Profile in den beruflichen Netzwerken zu aktualisieren. Er war schon immer Netzwerker und seine vielen Kontakte sollten ihn ja auch wieder erreichen können. Innerhalb einer Stunde konnte er so sein neues Leben, wie er es empfand, installieren. Seinen Rechtsanwalt wegen einer Abfindung anzuschreiben, das wollte er noch nicht, die Kündigung hatte er ja bereits ausgesprochen, die förmliche schriftliche Form, könne er auch später nachreichen.

Da er sonst eigentlich nichts weiter tun könnte, wollte er das milde und freundliche Wetter nutzen, um noch etwas spazieren zu gehen. Vielleicht dann doch einmal in dieses „Hard-Rock-Cafe“ an den Landungsbrücken. Auch diesen Besuch hatte er aufgrund von Terminen immer verschoben. Heute, hier und jetzt war der richtige Zeitpunkt dafür. Das neue Handy am Mann zog er los.

Am späten Nachmittag war dort noch nicht allzu viel los, er suchte sich einen Platz auf der offenen Terrasse und genoss es, den Hafenbetrieb beobachten zu können, in der Sonne zu sitzen und sich den warmen Wind um die Nase wehen zu lassen. Hafenluft schnuppern. Eines, was er sonst auch nie tat, er bestellte sich ein Glas Bier, am Nachmittag bislang immer ein No-Go. Er genoss es. So verbrachte er dort fast eineinhalb Stunden, bis die Email von Frank eintraf.

Lieber Klaus, erst mal herzlichen Dank dafür, dass Du es so schnell einrichten konntest, dass wir uns unterhalten konnten. Danach wusste ich, dass wir Dich in unserer Firma haben wollen. Ich habe mich mit meiner Personalchefin unterhalten und Dir nun einen Vertragsentwurf, mit dem Du hoffentlich einverstanden bist. Ich bin heute noch in jedem Fall für Dich erreichbar, falls Du Fragen hast oder gleich zusagen möchtest, was mich sehr freuen würde. Herzliche Grüße, Frank

Während er zunächst den Empfang dieser sehr positiven Email von Klaus bestätigte und den Vertragsentwurf überflog, erreichte ihn eine Whats App Nachricht von einer lieben Freundin, zu der er den Kontakt seiner Partnerin zuliebe schon vor einem Jahr abbrach.

Hallo Klaus, ich habe eben gesehen, dass Du wohl bei Deiner Firma raus bist. Was ist passiert? Wenn Du jemandem zum Reden brauchst, ich bin für Dich da. Auch bei mir hat sich einiges getan, bin mittlerweile in Hamburg. Liebe Grüße Anna.

Klaus dachte an ein Sprichwort, welches ihm einmal ein guter Freund sagte…

Wenn sich in Deinem Leben einmal eine Tür schließt, geht eine andere auf. Achte dann darauf, dass Du die Tür, die sich geschlossen hat, zunagelst…

Er beantwortete die Nachricht von Anna:

Liebe Anna, wie schön von Dir zu hören. Es tut mir leid, dass ich mich so lange nicht bei Dir gemeldet habe. Bei mir hat sich innerhalb von 24 Stunden alles geändert. Ich bin derzeit auch in Hamburg, entschuldige bitte meine direkte Art, aber wenn Du magst, können wir uns ja treffen. Ich erinnere mich daran, dass wir uns immer über alles so gut unterhalten konnten. Liebe Grüße Klaus.

Er wollte jetzt zurück ins Hotel, damit er den Vertragsentwurf von Klaus in Ruhe und dann am großen Bildschirm prüfen könnte. Das, was er überflogen hatte, hatte ihm gefallen und war auch so, wie er es nicht erwartet hätte. Er hatte ein gutes Gefühl dabei. Trotzdem wollte er sich Zeit lassen, dieses Mal mindestens eine Nacht darüber schlafen.

Auf dem Weg zum Hotel erreichte ihn die Antwort von Anna.

Er hatte sich bislang immer über die Menschen lustig gemacht, die mit dem Handy in der Hand durch die Straßen liefen und Nachrichten lasen und beantworteten. Die Antwort von Anna wollte er aber sofort lesen.

Lieber Klaus, Ich wohne seit über einem Jahr in Hamburg wegen meinem neuen Job, mein Mann ist gerade zu Besuch und wir wohnen in einem Hotel, da meine Wohnung viel zu klein ist. Wir können uns gerne treffen, wann passt es Dir? Heute Abend vielleicht?

Anna und Klaus hatten sich vor ca. 4 Jahren kennengelernt, in der ehemaligen Firma. Sie arbeitete im Innendienst und sie trafen sich dann immer zu den Meetings im Hauptsitz der Firma. Als es dann einmal ein großes Meeting in der Konzernzentrale gab, haben sie sehr viel Zeit miteinander verbracht und sich auch privat ausgetauscht. Da hatten sie einen Draht zueinander aufgebaut. Seit diesem Zeitpunkt hatten sie sehr viel Kontakt und schrieben sich jeden Tag und telefonierten oft miteinander. Und wenn immer es die Gelegenheit gab, hatten sie sich auch privat getroffen. Für beide war es eine schöne Freundschaft, die sie verbunden hat. Irgendwann vor mehr als einem Jahr hatte Klaus den Kontakt zu Anna abgebrochen, weil seine Freundin es nicht mehr wollte, dass er so intensiven Kontakt zu einer „Kollegin“ unterhielt. Sie war eifersüchtig und es fiel ihr schwer, zu glauben, dass da nichts zwischen den beiden war. Anna verheiratet, Klaus seit vielen Jahren mit seiner Partnerin zusammen. Und trotzdem war es eine magische Beziehung, die die beiden verband. Sie waren Verbündete und haben sich damals alles anvertraut. Einmal kamen sie sich näher, näher als sie wollten, näher als sie sollten und wie es das Schicksal manchmal so will, es war in Hamburg. Jetzt waren sie beide in der Hansestadt.

Liebe Anna, Ich habe Zeit und würde mich freuen, wenn wir uns heute Abend treffen könnten. 20 Uhr in „unserem“ East?

Die Antwort von Anna kam innerhalb Sekunden…

Passt, Super! Ich freue mich so sehr! Liebe Grüße Anna.

Klaus reservierte sofort einen Tisch in dem Restaurant, in dem sie sich das letzte Mal getroffen hatten. Der letzte Abend, die letzte Nacht… Er freute sich auf ein Wiedersehen mit Anna.

Mittlerweile war er wieder zurück im Hotel. Wieder in seinen Sessel und den Vertragsentwurf von Frank lesend. Immer wieder musste er von vorne beginnen, er war unkonzentriert, er war irgendwie aufgeregt. Allzu viel Zeit war sowieso nicht mehr, er wollte sich noch frisch machen. Hatte er doch eigentlich geplant, früh ins Bett zu gehen und die letzte unruhige, schlaflose Nacht auszugleichen. Daran dachte er nun nicht mehr. Anna…

Es war halb Acht, er rief sich ein Taxi und fuhr dann ins East. Anna war noch nicht da und er wartete vor dem Restaurant auf sie. Kurz vor Acht kam sie dann zu Fuß. Beide schauten sich an und umarmten sich herzlich, so wie sie es immer getan hatten. Vielleicht einen Moment zu lang, zu intensiv.

Der Tisch war vorbereitet, Klaus hatte darum gebeten, einen ruhigeren Tisch zu bekommen, und seine Wünsche wurden realisiert. Beide sassen sich gegenüber und schauten sich eine ganze Weile nur an, in die Augen, ganz tief. Vielleicht etwas zu lang, etwas zu intensiv. Über ein Jahr lang taten sie das nicht mehr. Diese Stille, dieses Kribbeln wurde von der Servicekraft unterbrochen. „Ein Gläschen Champagner wäre angebracht, Anna?“ Den Beiden wurde die Speisekarte überreicht, sie legten sie beiseite und erzählten, wie es ihnen ergangen ist. Anna erzählte von einem Streit mit ihrem Mann die letzte Nacht und dass sie ihn die letzte Zeit einfach nur noch langweilig fand, sie aneinander vorbei gelebt hätten. Sie wollte etwas erleben in Hamburg, mit ihm zusammen, er war müde, wollte kein Geld für Musical Karten oder ein feines Abendessen ausgeben und so weiter… Klaus erzählte Anna, dass er so gern in das Musical „Phantom der Oper, Liebe stirbt nie“ gehen würde. Sie versprachen sich, dass sie sich Karten besorgen wollten. Nach der zweiten freundlichen Nachfrage der Servicekraft bestellten sie Sushi. Während des Essens unterhielten sie sich noch lange und liessen kein Detail aus, was sie die letzten 14 Monate und 10 Tage, sie hatten das ausgerechnet, erlebt hatten. Beide waren froh, sich nun endlich wieder einmal getroffen zu haben. Sie erinnerten sich an all die verrückten Dinge, die sie miteinander erlebt hatten, wie sie sich ganz spontan für eine Reise nach Hamburg verabredet hatten und im East gegessen und… übernachtet hatten. Bis zu diesem Punkt, dann Schweigen und wieder diese tiefe Blick in die Augen…

Sie sassen noch bis weit nach 23 Uhr. Noch ein Glas Weißwein, eigentlich war das ein Glas zu viel, aber beide wollten sich weder verabschieden noch etwas entscheiden. Als die Rechnung dann kam, schauten sie sich an und…

Sie sassen noch bis weit nach 23 Uhr. Noch ein Glas Weißwein, eigentlich war das ein Glas zuviel, aber beide wollten sich weder verabschieden noch etwas entscheiden. Als die Rechnung dann kam, schauten sie sich an und er bezahlte die Rechnung. Er kannte ihren Einwand schon, denn wenn immer er früher die Rechnung bezahlte, sagte sie, ihr wäre das überhaupt nicht recht, weil es nach einem Date aussieht. Dieses Mal kam kein Einwand von ihrer Seite, Anna schien es erwartet zu haben, dass Klaus bezahlt.

Sie tranken ihren Wein aus und schauten sich wieder an, ganz tief und lang in die Augen und lächelten sich an. Es war anders dieses Mal, alles anders.

„In welchem Hotel bist Du, Anna? Ich nehme mir ein Taxi und ich setze Dich dort ab, Dein Mann wird ja sicherlich schon auf Dich warten.“

Anna überlegte und zögerte mit der Antwort. „Weißt Du, ich glaube nicht, dass mein Mann noch im Hotel ist, ich denke er ist wieder nach Hause gefahren…“ eine längere Pause, sie umarmte Klaus, wie sie aufstanden und zum Ausgang gingen. „Wollen wir noch was Trinken gehen? Ich habe es so genossen mit Dir zusammen zu sein und wer weiß, wann wir uns wieder treffen, ich kann morgen auch später ins Büro!“

„Dann lass uns in diese kleine Bar gehen, die am Rathaus, weißt Du noch?“ sagte Klaus. Sie nickte und lächelte ihn an. Sie liessen sich ein Taxi rufen und fuhren zu dieser Bar, in der sie letztes Mal auch lang gesessen hatten. Noch im Taxi griff sie nach seiner Hand und hielt sie, er streichelte sie zärtlich mit seinem Daumen über den Handrücken. Beide spürten das Knistern – bis beide vom „Bing-Bing“ des Handys von Anna aus dieser Stimmung herausgerissen wurden. „What’s App von meinem Mann, er ist nach Hause gefahren und ist stinksauer!“ Klaus fragte sie, ob es denn nicht besser sei, wenn jeder in sein Hotel ginge. Er war sehr charmant und wollte auch Anna nicht in eine noch schwierigere Lage  bringen. „Nein, jetzt erst recht fahren wir zu dieser Bar, lass uns den Abend noch bitte weiter genießen!“

Die Bar hatte bereits geschlossen. Also beschlossen sie, noch einen kleinen Spaziergang zu machen. Sie gingen schweigend hinunter zur Binnenalster, es war Mitternacht. Sie genossen die Ruhe und dass sie fast alleine unterwegs waren. Schließlich setzten Sie sich auf eine Bank direkt am Wasser und genossen die kühle Luft und dass sie einfach noch Zeit miteinander verbringen durften. Klar war beiden, dass es eine Entscheidung geben musste. Wollten sie die Nacht miteinander verbringen?

Das letzte Mal, vor mehr als einem Jahr, war das eher spontan. Sie standen nach der Rückkehr noch in der Hotel-Lobby und Klaus fragte eher scherzhalber, wie er es oft tat: „In mein oder in Dein Zimmer?“. Er erinnerte sich, dass Anna damals sagte: „In Dein Zimmer!“. Sie hatten eine wunderschöne Nacht miteinander. Am nächsten Tag hatte er ihr mitgeteilt, dass er das für einen Fehler gehalten hätte und sie sich wohl besser nicht mehr treffen sollten. Er hatte Angst, dass dies wieder passieren könnte.

Dieses Mal war es Anna. „Klaus, wo ist Dein Hotel? Mir ist kalt, ich möchte aber trotzdem mit Dir zusammen sein, willst Du es auch?“ Klaus stockte der Atem. „Anna, das letzte Mal sind wir auseinandergegangen, weil aus unserer Freundschaft viel mehr geworden ist, sollen wir wirklich?“       Anna nickte und flüsterte ihm ins Ohr: „Und das Schicksal hat uns wieder zusammengebracht, lass uns gehen bitte…“ Sie küssten sich… 

Sie nahmen sich ein Taxi und waren innerhalb weniger Minuten an seinem Hotel. Dort angekommen, sofort aufs Zimmer und sie schlich sich ins Badezimmer. Er setzte sich auf seinen Sessel, der ihm ein guter Freund geworden war. Ein Zurück gab es nicht mehr. Nach ein paar Minuten kam sie aus dem Bad und die beiden umarmten sich, küssten sich und zogen sich gegenseitig aus. Sie legte sich auf’s Bett und er küsste sie am ganzen Körper, zärtlich und hingebungsvoll. „Klaus, ich hatte Deine zärtlichen Küsse so vermisst, ein ganzes langes Jahr lang…“  Sie genossen den Sex beide sehr, liessen sich sehr viel Zeit und waren sehr zärtlich zueinander. Beide waren es anders gewohnt.

Sie streichelten und küssten sich noch lange, bis Anna in seinen Armen irgendwann einschlief. Klaus dachte noch lange über diesen Tag nach, bis er dann auch einschlief.

Die Turmuhr des Michel schlug 8 Uhr, Anna schreckte auf…

Offenbar hatte sie den Wecker an ihrem Handy nicht aktiviert. Sie war spät dran.

Das Bett neben ihr, unberührt. Ihr Mann war wohl nicht zurückgekommen. Jetzt erinnerte sie sich an diesen wunderbaren Traum, den sie hatte. Ein Wunschtraum? Noch bevor sie ihrem Vorgesetzten schreiben konnte, dass sie später ins Büro kommt, empfang sie in diesem Moment eine Nachricht von Klaus.

„Guten Morgen liebe Anna, es war gut so, wie wir entschieden haben, ich habe noch viel nachgedacht. Bist Du schon unterwegs?“

„Lieber Klaus, Guten Morgen, bin gerade aufgewacht, vielleicht war es besser so, aber Du bist ja noch eine ganze Weile in der Stadt, in meiner Nähe. Ich bin spät dran, hab verschlafen. Muss los, bis später mal! “  

Sie erinnerte sich an den Abschied in der Hotellobby, wie sie von ihrem gemeinsamen Abend zurückkamen. Wieder diese Situation in der Hotel-Lobby, nur, dass Klaus diese eine Frage dieses Mal nicht gestellt hatte. Sie hatten sich noch darüber amüsiert, dass sie dasselbe Hotel hatten und sich bislang noch nicht über den Weg gelaufen sind. Die Wahl dieses Hotels war kein Zufall, für keinen von Beiden. Wie sie auf ihren Hotelzimmern waren, haben sie sich noch lange miteinander geschrieben, bis nach 2 Uhr… Anna wollte sich auch nach Tickets für dieses Musical „Phantom der Oper II“ kümmern.

Klaus hatte heute nun einiges zu erledigen. Die Kündigung an seinen bisherigen Arbeitgeber schreiben und per Post zustellen, seinen Rechtsanwalt informieren, ohne Abfindung würde er das nicht auf sich bewenden lassen, den Vertrag von Frank genau prüfen, ihm eine Rückmeldung geben, sich entscheiden. Sich auch entscheiden, wie das mit Anna weitergehen sollte, zu gerne hätte er die Nacht mit ihr verbracht.

Auch er träumte, nicht so reell, eher verwaschen. Er träumte von einer Bahnfahrt mit Anna, viele Bekannte waren mit in dem Abteil und beobachteten die zwei. Plötzlich am nächsten Bahnhof stand Anna auf und nahm Klaus bei der Hand. Sie stiegen aus, blickten in erstaunte Gesichter. Sie verliessen den grauen Bahnhofsvorplatz durch einen Tunnel und sahen Sonnenschein und eine bunte Wiese mit vielen Blumen. Er fühlte sich sehr wohl. Anna an der Hand.

Klaus machte sich frisch, wollte dann erst einmal zum Frühstück. Beim Vorbeigehen an der Rezeption fragte er, ob er im Hause irgendwo etwas Ausdrucken und Einscannen könnte. Dieses Hotel hatte einen sog. „Business-Corner“ wo Klaus dann auch die entsprechenden Geräte zur Verfügung hätte. „Toller Service, Danke Ihnen.“

„Klaus, könntest Du Dich um die Musical-Karten kümmern, ich komm da vor dem Büro nicht mehr dazu… heute Abend dann? “

„Anna, klar, ich kümmere mich gerne. Geb Dir dann noch Bescheid, ob ich welche bekommen habe…“

Diese Emoticons konnte er noch nie leiden, er zögerte noch Anna dieses zu senden, aber er fand es irgendwie unhöflich, es nicht zu verwenden.

Frühstück… ausgiebig. Er genoss es.

Danach ging er auf sein Zimmer, las sich zuerst den Vertragsentwurf durch. Es war ein gutes Angebot, welches er da vorliegen hatte, so einige Kleinigkeiten wären sicherlich verhandelbar, aber alles in Ordnung soweit. Vor allem die neue Aufgabe war genau das, was Frank ihm erzählt hatte und er sah sich da mit all seiner Erfahrung und Skills. Perfekt, fast zu perfekt. Klaus war eher vorsichtig in solchen Dingen und hatte fast einen Hang dazu, das Haar in der Suppe finden zu müssen. Dann ging er zu diesem Multifunktionsgerät um den Änderungsvertrag einzuscannen und seine Kündigung fertig zu schreiben und auszudrucken. Alles nahezu problemlos, obwohl Klaus noch nie Technikfreak war. Innerhalb von knapp zwei Stunden hatte er alles erledigt. Seinem Rechtsanwalt sendete er auch noch den Vertragsentwurf von Frank, vielleicht hatte er dieses eine Haar ja in der Suppe ja übersehen. Als Nächstes wollte sich Klaus um den Versand der Kündigung kümmern und erkundigte sich, wo er das nächste Postamt finden würde. Denise, wie er vom Namensschild ablas, bot ihm an, sich um den Versand zu kümmern. „Herr Wagner, das ist doch kein Problem, wir erledigen das für sie. Einschreiben eigenhändig, gerne! Das geht heute noch raus. Kann ich sonst noch etwas für sie tun?“  Klaus erinnerte sich an die Karten für das Musical und fragte, ob man ihm da auch helfen könnte. „Wenn ich sie da an unseren Concierge verweisen darf, Paul, hast Du mal eben eine Minute für Herrn Wagner?“ Klaus schilderte seinen Wunsch und der Concierge bat um 5 min Zeit, bis er Angebote für die Karten hätte. Klaus war dann doch etwas verwundert, bislang hatte er es immer vermieden, jemanden um einen Gefallen zu bitten, aber es war so einfach.

Irgendwie lief alles so glatt und dann noch Anna. Er erinnerte sich an diesen Song der  Hip-Hop Band „Freundeskreis“.

Sie gab mir ’nen Abschiedskuss, dann kam der Bus.

Sie sagte:“Max, ich muss“, die Türe schloss. „Was, ist jetzt Schluss“.

Es goss, ich ging zu Fuß, bin konfus, fast gerannt.

Anna nahm meinen Verstand, ich fand an Anna allerhand.

Manchmal lach ich darueber, doch dann merk ich wieder, wie’s mich trifft.

Komik ist Tragik in Spiegelschrift.

A-N-N-A von hinten wie vorne, dein Name sei gesegnet.

Ich denk‘ an dich immer wenn es regnet

Immer wenn es regnet, muss ich an dich denken.

Wie wir uns begegnen, kann mich nicht ablenken.

Nass bis auf die Haut, so stand sie da.

Um uns war es laut, und wir kamen uns nah.

Immer wenn es regnet, muss ich dich denken.

Wie wir uns begegnet sind, kann mich nicht ablenken.

Nass bis auf die Haut, so stand sie da.

A-N-N-A

Lass mich nicht im Regen steh

Ich will dich wiedersehn – A-N-N-A

„Herr Wagner? Ich hätte 2 Karten für Sie und Ihre Begleitung. Premium… oder ganz hinten?“ – „Buchen Sie die Premium bitte“. Und auch das war so einfach, er musste sich einfach nicht drum kümmern. Bislang hatte Klaus sogar immer abgelehnt, seine Hotelbuchungen durch sein Backoffice erledigen lassen, weil er dachte, nur so könne er sicher sein, dass alles klappt. Eine neue Erfahrung. „Ich buche die Karten dann für sie auf ihren Namen, sie können sie dann heute Abend an der Theaterkasse abholen. Wenn Sie gestatten, würden wir Ihnen den Ticketpreis auf ihr Zimmer buchen, ist das für Sie in Ordnung?“ – „Ja Paul, vielen Dank, sehr nett!“

„Liebe Anna, ich habe die Karten für heute Abend. Treffen wir uns vorher im Hotel?“

Dieses Mal dauerte es etwas, bis die Antwort kam, Anna hatte ja schließlich auch zu arbeiten. Klaus konnte nicht wirklich viel tun, hatte aber irgendwie immer noch das Gefühl, dass er vielleicht nicht das erstbeste Angebot annehmen sollte, er hatte nur einmal diese Chance, sich zu ändern und dann sollte er zumindest alle seine Chancen ausgelotet haben.

Bevor er in die Stadt spazierte, schrieb er noch eine Email an einen Headhunter, mit dem er schon seit Jahren Kontakt hatte. Vielleicht ergab sich da ja noch eine Alternative. Dann ging er los, wieder am Fleet entlang zum Jungfernstieg. Immer noch mildes Sommerwetter in Hamburg. Er genoss es. Vielleicht sollte er sich für das Musical am Abend noch etwas Schickes zum Anziehen kaufen? Er ging in ein Kaufhaus, das Beste in Hamburg, wie man ihm sagte… Bislang hatte immer seine Partnerin beim Einkaufen dabei. „Was ist eigentlich  mit ihr?“ dachte er noch, wie er  das „Alsterhaus“ betrat. Sie hatte sich bislang nicht mehr gemeldet…

Er freute sich sehr, Anna wieder zu treffen. Er dachte viel an sie. An ihre braunen Augen, in die er sich vom ersten Treffen an verliebte. Er dachte an Ihre Umarmungen und an den sinnlichen Kuss zum Abschied heute Nacht, der ihn dann doch überraschte. Und in diesem Moment die Antwort von Anna.

„Hallo Klaus, mein Mann ist wieder nach Hause gefahren, ich habe im Hotel ausgecheckt, ich weiß noch nicht, wie ich aus dem Büro rauskomme, vielleicht kommst noch kurz bei mir in der Wohnung vorbei? Ich gebe Dir noch Bescheid. Ich freue mich, Dich heute Abend zu treffen, Du bist ein Schatz! Liebe stirbt nie!“

Klaus machte sich Gedanken. Dieses „an sie denken“ und dann antwortet eine Nachricht von ihr. Er glaube nicht an Schicksal, „alles nur Zufälle“ sagte er immer.

Den Nachmittag verbrachte Klaus noch damit, sich neu einzukleiden, er ließ sich beraten, gab Geld aus und war sich sicher, für den Abend gut angezogen zu sein. Etwas gewagt, wie er fand, aber Klaus trug normalerweise einen grauen Anzug (er hatte mindestens 5 davon), weißes Hemd und schwarze Schuhe.

Am späteren Nachmittag, wie Klaus bei einer Tasse Espresso und einem Butterkuchen den Nachmittag ausklingen ließ, kam eine neue Nachricht von Anna, in der sie ihn bat, gegen 19 Uhr in ihre Wohnung zu kommen. Adresse dazu und dieses Mal nicht der fast schon übliche Smiley, sondern„“

Kurz vor 19 Uhr war er bei Anna, läutete an der Wohnungstür, er hatte ihr zuvor noch ein kleines Blumensträußchen besorgt… Sie öffnete die Tür, sah ihn strahlend an und…

Kurz vor 19 Uhr war er bei Anna, läutete an der Wohnungstür, er hatte ihr zuvor noch ein kleines Blumensträußchen besorgt… Sie öffnete die Tür, sah ihn strahlend an und sie umarmten sich. Klaus genoss es sehr, wie Anna ihren Körper an seinen schmiegte.

„Danke Dir für die schönen Blumen und pünktlich bist auch noch. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal Blumen geschenkt bekommen habe. Magst noch ein Glas Sekt mit mir trinken, bevor wir gehen?“ Anna sah bezaubernd aus, toll geschminkt, roch fantastisch nach diesem Parfum, was er schon kannte und ein dunkelblaues eng anliegendes Kleid mit einem zarten Jäckchen über die Schultern gelegt und sie trug diese wunderbaren Schuhe. Dieses Parfum trug sie, wie sie sich vor gut einem Jahr trafen. Er erinnerte sich an viele schöne Momente mit ihr. Der Film lief in Sekundenbruchteilen vor seinem inneren Auge ab und es war dieses tolle Gefühl, welches er schon lange nicht mehr spürte. Sie war für ihn einfach nur schön und begehrenswert. „Anna, ich freue mich, Dich zu sehen, Du siehst hinreißend aus. Ein Glas Sekt, gerne!“ Anna genoss es sehr. Die Blumen, die nette, innige Begrüßung und sein Kompliment und wie sich Klaus zurechtgemacht hatte. Ein edles, sportliches Sakko, eine eng geschnittene Hose und ein Einstecktuch. Das behielt sie aber für sich.

Sie stießen an, auf einen schönen Abend, auf dass sie sich wieder getroffen hatten. Sie schauten sich wieder tief in die Augen und lächelten sich an. Nachdem sie ausgetrunken hatten, gingen sie zum Kiez ins Musical Theater. Anna griff nach der Hand von Klaus. Fast schweigend genossen sie den kurzen Spaziergang zum Spielbudenplatz.

An der Theaterkasse holten sie sich die Eintrittskarten ab und gingen direkt in den Saal. In eine der ersten Reihen nahmen sie Platz.

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Beide waren begeistert von der Vorstellung, der Stimmengewalt der Künstler, der Atmosphäre, dem Bühnenbild, dem Orchester und begeistert von der Geschichte, die erzählt wurde. In der Pause noch ein Gläschen Champagner, Klaus bestand darauf. Anna küsste ihn und bedankte sich für dieses tolle und ergreifende Erlebnis. Sie hatte Tränen in den Augen.

„Was ist los, Anna?“

Nichts Klaus, ich bin so gerührt von der Geschichte und überglücklich, dass Du Dir das antust, ich weiß, Du hast Dir nie was aus Musicals gemacht… und Du tust das wegen mir!“

„Anna, ich bin wirklich überrascht, wie gut dieses Musical ist, ich tue mir das nicht an, ich genieße es mit Dir, alles gut!“

„Liebe stirbt nie, Klaus“.

Mit diesen vier Worten wendete sie sich ab, entschuldigte sich und verschwand in  Richtung Waschräume. Klaus stand da, mit zwei halbvollen Champagnergläsern, schaute ihr nach und vergaß die Welt um sich herum. Er lächelte.

Nach ein paar Minuten kam sie zurück, sie hatte sich die Augen frisch geschminkt, sie tranken aus und gingen Hand in Hand wieder in den Saal zurück und genossen und durchlitten gemeinsam die zweite Hälfte des Musicals. Immer wieder berührten sie sich zärtlich, schauten sich kaum an, denn Klaus war ebenfalls von der Story gefesselt und die eine oder andere Träne konnte er nicht verstecken.

Nach dem Ende der Vorstellung gingen sie hinaus, wortlos, sich anlächelnd und Klaus fragte Anna, ob sie den Abend noch irgendwo ausklingen lassen wollten. „Klaus, ja, bitte, lass uns in die Tower Bar gehen.“ Auch diesen Ort kannten sie bereits beide, hatten sie dort auch schon den einen oder anderen Drink zu zweit oder in Begleitung der Kollegen zu sich genommen. „Dort ist es immer so laut und wer weiss, ob wir einen Platz bekommen, Anna, ich habe eine bessere Idee…“

Klaus winkte sich ein Taxi heran und flüsterte dem Fahrer etwas ins Ohr, was Anna nicht verstehen konnte. „Klaus, wohin fahren wir?“ – „Überraschung!“

Als das Taxi an der Außenlaster hielt, wusste Anna, was Klaus vor hatte. Sie hatten sich immer vorgenommen, einen Drink in der Bar im Hotel Atlantic zu nehmen. Sie fanden einen Platz in einer Ecke in den gemütlichen wuchtigen Ledersesseln und bestellten sich zwei Cocktails. Anna genoss das Ambiente in diesem alt-ehrwürdigen Hotel. Sie unterhielten sich über das Musical, auch über die neuen beruflichen Pläne von Klaus, ihm fiel dabei ein, dass er da etwas nachlässig war und sich nicht einmal mehr kümmerte, ob sein Rechtsanwalt eine Antwort zurücksendete. Aber auch das war jetzt egal. Er fühlte sich in Anna’s Gesellschaft so wohl.

„Du, es war ein so schöner Abend, ich habe mir morgen frei genommen, wenn Du magst für Dich, ich will noch mehr Zeit mit Dir verbringen und zeige Dir „mein“ Hamburg. Ich will Dich nicht überfahren, aber es wäre schön. Wollen wir?“

Klaus nickte, schaute sie mit einem verliebten Blick an und sagte:“ Anna, nichts lieber als das, ich genieße jede Sekunde, in der ich mit Dir zusammen sein darf und Du hilfst mir im Moment sehr, ich spüre, dass ich lebe!“

„So hast Du mich noch nie angeschaut, was ist los?“  Klaus lächelte sie an und antwortete nicht.

Sie küssten sich, nicht auf die Wange, dieses freundschaftliche Küsschen, sie küssten sich auf den Mund, umarmten sich, als wären die Worte von Klaus eine Art Startschuss gewesen.

Klaus bat Anna einen kurzen Moment zu warten und verschwand.

Er kam mit einem Lächeln zurück. „Anna, lass uns was Verrücktes machen. Ich habe ein Zimmer für uns hier gebucht, komm mit…“

Klaus beglich die Rechnung direkt an der Bar und sie gingen zum Fahrstuhl.

Der Roomservice hat uns eben noch hochgebracht, was wir morgen früh brauchen. Im Moment werden uns die Bademäntel wohl reichen, oder?“ 

Im Fahrstuhl noch küssten sich die beiden wieder, leidenschaftlich. „Klaus, Du bist wirklich verrückt, die Zimmer hier kosten ein Vermögen. Du hast Dich erinnert, dass ich Dir mal sagte, dass ich mal eine Nacht mit Dir hier verbringen wollte, hmm?“

„Ja und ich dachte auch, dass heute der richtige Zeitpunkt dafür ist, liebe Anna“ –.

„Der beste Zeitpunkt, ich liebe Dich Klaus!“

Im Zimmer angekommen erfüllte sich Anna’s Traum, es war einfach nur schön. Zärtlichkeit, Leidenschaft und Erfüllung all der aufgestauten, sehnsüchtigen Träume, die beide hatten, seit sie vor über einem Jahr auseinandergingen.

Die Außenalster schimmerte im Mondlicht.

Es war eine Nacht voll Zärtlichkeit und Leidenschaft. Diese Affäre vor gut einem Jahr war anders, beide schliefen damals miteinander, hatten Sex, leidenschaftlich auch, aber anders eben. Schneller Sex, schnelles Einschlafen danach, jeder dreht sich wieder auf seine Seite, kaum miteinander gesprochen und am nächsten Morgen weiter im (Business)-Programm. Dieses Mal war das anders, ganz anders. Sie flüsterten sich zärtliche Dinge ins Ohr, streichelten sich, waren eins. Und sie liessen sich Zeit, viel Zeit. Es war das, was beide die letzten Monate nicht mehr erlebt hatten. Sicher, beide hatten Sex mit ihren Partnern, aber eben nur dieses miteinander schlafen ohne dieses Prickeln, ohne dieses Begehren, ohne dieses sich aufeinander einlassen, bedingungslos und ohne sich wirklich dem Anderen hinzugeben. Alles anders, für beide! Sie schliefen erst spät, umarmt und einander ganz nah.

Es war gegen 9 Uhr, wie beide aufwachten, sie schauten sich in die Augen, küssten sich zärtlich und beschlossen noch ein wenig im Bett zu bleiben und den Augenblick einfach zu genießen. Beide hatten das die letzte Zeit nicht mehr, neben jemandem aufzuwachen, in den Armen eines Menschen aufzuwachen, den man liebte. War es Liebe? Oder waren es nur die Augenblicke des Glücks der letzten Nacht, des Abends? Keiner von beiden hatte dieses Wort bislang benutzt… Nicht am Abend vorher, nicht in dieser Nacht. „Guten Morgen, es war eine wundervolle Nacht, ich weiß nicht wann ich das letzte Mal so sehr das Gefühl hatte, wirklich begehrt zu werden, du bist ein toller Mann“ war das, was Anna sagte, was sie sagen musste. „Ja, es war wundervoll…, nein, es ist einfach wundervoll mit Dir!“ Sie küssten sich zärtlich, streichelten sich und schliefen noch einmal miteinander, weil es gar nicht anders ging.

Erst nach 10 Uhr machten sie sich fertig für das Frühstück. Das Hotel hatte für alles gesorgt. Etwas befremdlich, keine Wäsche zum Wechseln dabei zu haben und mit der Abendgarderobe zum Frühstück zu gehen, aber sie sahen gut aus, glücklich! Beide hatten Zeit, nur für einander. Sie beschlossen, den Tag miteinander zu verbringen. Und wie Anna das sagte, wurde sie traurig, musste sie am Abend doch nach Hause, zu Ihrem Mann. Es war Freitag und am Abend begann eigentlich wieder ihr gemeinsames Wochenende. Klaus merkte das sofort und fragte, was denn los sei mit ihr.

„Weißt Du, ich fahre Freitag Nachmittag ja immer nach Hause zu meinem Mann. Ich will aber gar nicht!“

„Ich weiß Anna, aber diese Entscheidung kann ich Dir nicht abnehmen. Hat er sich denn überhaupt nicht mehr gemeldet?“

Jetzt erst wurde beiden klar, dass sie die Welt um sich herum, den Alltag komplett ausgeblendet hatten. Die Kommunikation aus. Offline. Beide hatten ihr Handy zu Beginn der Vorstellung des Musicals ausgeschaltet und nicht wieder angefasst. Der Alltag kam zurück. Klaus fiel ein, dass er Frank nun auch einmal antworten sollte und seine Emails checken sollten. Doch zunächst wollten sie frühstücken und sich danach um das Leben  kümmern. Den Tag so zu beginnen, war für beide ungewöhnlich, sehr angenehm aber nicht, was sie die letzten 15 Jahre hatten und dann zum Frühstück noch ein Gläschen Champagner. Obwohl die Frühstückszeit fast beendet war, durften sich die beiden Zeit lassen und bekamen sogar alles an den Tisch geliefert. So wie man es für ein Haus dieser Klasse auch erwarten darf. Sie frühstückten miteinander, unterhielten sich über Klaus Jobangebot und ob er es annehmen würde. Er wusste es noch nicht, machte es auch noch abhängig von der Rückmeldung seines Anwalts. Auch besprachen sie, wie sie den Tag gestalten wollten. Erst mal zu Anna nach Hause, dann in das Hotel von Klaus, umziehen und in die Stadt, etwas shoppen, spazieren gehen, wenn das Wetter es zuließe. Es hatte zugezogen, dunkle, graue Wolken zogen auf.

Jetzt erst, wie er die Hotelrechnung bezahlte und sie in ein Taxi stiegen, schalteten beide ihre Handys wieder an. Anna hatte mehrere Nachrichten Ihres Manns auf dem Handy. Er wollte sich entschuldigen, wollte am Abend mit ihr essen gehen, in ihrem Lieblingsrestaurant in Hannover. Klaus hatte die Antwort seines Anwalts im Email Eingang und eine What’s App Nachricht seiner Partnerin, die ihm mitteilte, dass sie ausgezogen sei. Der Grund war wohl der, weil er sich nicht mehr gemeldet hatte und diesen unsäglichen Blödsinn mit der Kündigung durchgezogen hatte. Aus diesem Appartement, welches sie ausgesucht und eingerichtet hatte, welches er finanziert hatte, im noblen Frankfurter Westend. Er mochte die Wohnung nie.

Beide beschäftigten sich mit ihren Nachrichten bis sie bei Anna’s Wohnung ankamen. Anna antwortete ihrem Mann nur kurz, dass sie sich überlege, nach Hause zu kommen. Dann schaltete sie ihr Handy wieder ab und feuerte es zurück in ihre Handtasche. Klaus begleitete sie, ohne dass Anna nachfragte. Sie verschwand in ihrem Schlafzimmer, nackt ging sie an ihm vorbei, ein paar Kleidungsstücke auf dem Arm, streichelte ihn zärtlich, küsste ihn und verschwand im Bad. Er schaute ihr nach. Er war sich unschlüssig, ob er nicht einfach folgen sollte, er blieb sitzen.  Las die Email seines Anwalts. Auch er konnte kein Haar in der Suppe finden. Sein Fazit war.„Klaus, schlag zu!“. Nachdem er diese Email gelesen hatte, fiel ihm auf, dass er weitere Nachrichten aus den beruflichen Netzwerken erhalten hatte. Mit einer solchen Reaktion auf seine Änderungen bei derzeitiger Arbeitgeber: „In between Jobs“ hatte er nun wirklich nicht gerechnet. Da gab es unter anderen noch ein Angebot eines Headhunters, der für den größten Mitbewerber seiner alten Firma arbeitete. Dieser Personalberater wollte unbedingt noch mit ihm telefonieren. Er antwortete ihm, dass er sich später melden würde. Frank schrieb er eine Email, dass er sein Angebot geprüft hatte und sich kurzfristig bei ihm melden würde.

Kurze Zeit später kam Anna zurück. „Gehen wir?“ fragte sie. „Den Koffer packe ich später – wenn überhaupt!“

Sie beschlossen, den Weg zu Klaus‘ Hotel zu Fuß zu gehen. Auf dem Weg erzählte er ihr vom Jobangebot des Headhunters und von der Stellungnahme seines Anwalts. Anna riet ihm zumindest einmal mit dem Headhunter zu sprechen. Eine zweite Chance wäre sicherlich gut. In diesem Moment rief ihn Frank an. „Geh ruhig dran, Frank will sicher wissen, was der Grund für Dein Zögern ist.“ Das genau war dann auch der Grund von Frank’s Anruf. Klaus wechselte in den Business-Mode und gab Frank zu verstehen, dass er im Moment noch zwei andere Angebote prüfe und er sich dann entscheiden würde. Bis Montag, Dienstag wisse er sicherlich mehr, er würde sich dann melden und wünschte ein schönes Wochenende. „Anna, wenn es Dir nichts ausmacht, würde ich nachher noch gerne mit diesem Personaler reden und dann gibt es nur uns zwei heute, ja?“ Sie war einverstanden, unterstützte seine Entscheidung mit den Worten, dass es ja um seine berufliche Zukunft ginge. So gingen sie weiter durch die Stadt, Hand in Hand, bis zu Klaus Hotel. Das Thema, dass sie sich noch nicht entschieden hatte, ob sie nach Hause fahren würde, wurde von beiden wohl nicht mehr bewusst aufgegriffen.

Im Hotel angekommen ging Anna mit ihm aufs Zimmer, er machte sich frisch, zog sich seinen Standard-Business Anzug wieder an, da er gar keine Freizeit Kleidung dabei hatte. Anna meinte, er möge jetzt erst mal mit dem Headhunter telefonieren und danach würden sie ein paar neue bequemere Klamotten für ihn einkaufen. Anna fragte ihn noch, ob sie unten in der Lobby auf ihn warten soll. Er verneinte und meinte, sie könne ruhig da bleiben. Klaus wählte die Handnummer des Kontakts und hörte sich an, was der ihm anbieten wollte. Dann legte er auf und lächelte. „Na, was er hat der gesagt?“  Klaus wechselte nun wieder in seinen „Anna-Mode“ küsste sie und meinte, dass dieses Angebot fast noch besser klang, weil es genau der gleiche Job sei, den er seit Jahren für seinen bisherigen Arbeitgeber gemacht habe. Das einzige Problem sei, dass er erst nach Ablauf von drei Monaten zum Mitbewerb wechseln dürfe, dieser neue Arbeitgeber ihm aber eine Überbrückung anbieten würde. „Das klingt doch toll, wie geht’s jetzt weiter?“ „Ich sende denen meinen CV und die im Vorgriff schon mal einen Vertragsentwurf bis spätestens Montag.“ „Klaus, ich freue mich für Dich, das klingt doch alles sehr gut…“ Klaus lächelte und nahm Anna bei der Hand und sie gingen aus dem Hotelzimmer, raus aus dem Hotel und in Richtung Innenstadt. Shopping war der nächste Programmpunkt. Sie versprachen sich, jetzt nicht mehr über den Job zu sprechen und den Tag zu genießen.

Klaus lächelte und nahm Anna bei der Hand und sie gingen aus dem Hotelzimmer, raus aus dem Hotel und in Richtung Innenstadt. Shopping war der nächste Programmpunkt. Sie versprachen sich, jetzt nicht mehr über den Job zu sprechen und den Tag zu genießen.

Sie gingen hinunter Richtung Jungfernstieg, in Richtung der vielen Geschäfte. Am Fleet entlang, wie Klaus die letzten Tage nun schon öfters gegangen war, mittlerweile war ihm das alles vertrauter. Der Himmel zog zu, leichter Regen und ein kühler Wind kam auf. Die beiden verschwanden in die nächste Shopping Meile, dort war es trocken, nicht überlaufen und man konnte in Ruhe einkaufen. Schon bald hatten Anna und Klaus ein paar Kleidungsstücke für Klaus gefunden, die nach Anna’s Meinung zu ihm passten. Er war es nicht gewohnt und sie bat ihn auch gleich, die neue Hose, eine schicke Jeans und das Freizeithemd anzubehalten. Nun noch Schuhe dazu. Klaus ließ sich gerne von Anna beraten, er wollte ihr gefallen und er fand Gefallen daran, sich neu einzukleiden. Den Anzug in der Tasche des Ladens verpackt, auf zum nächsten Schuhgeschäft. Auch da wurde Anna schnell fündig. Jetzt noch einen Schal dazu und eine schöne lässige Freizeitjacke. Das war geschafft… Beide hatten Spaß daran und Klaus fühlte sich… neu, irgendwie anders. Anna gefiel der neue Look von Klaus.

Beim Blick auf die Uhr wurde beiden klar, dass es schon früher Nachmittag war. „Anna, lass uns irgendwo eine Kleinigkeit essen gehen, worauf hast Du Lust?“ „Fisch, magst Du Fisch? Ich kenne da ein kleines, feines Restaurant mit richtig guter Küche!“ Alles, was Du magst Anna…“

Sie gingen in dieses kleine Fischrestaurant und Anna wurde nachdenklicher. Sie musste sich entscheiden, ob sie nach Hause fährt, und wollte Klaus die Entscheidung treffen lassen. Klaus wollte dies nicht entscheiden. Beide fühlten, dass es wohl heute Nachmittag, heute Abend spätestens zu einem Abschied kommen würde.

„Anna, ich kann und darf das nicht entscheiden. Natürlich wäre ich gerne weiter mit Dir zusammen, aber Du kannst deinen Mann nicht einfach sagen, dass Du nicht nach Hause kommst. Du musst Dich mit ihm aussprechen, ihm sagen, was passiert ist. Du bist immer noch mit ihm verheiratet.“

„Aber ich liebe DICH! Das weiss ich jetzt. Ich will nicht nach Hause, ich will Dich hier nicht alleine lassen, ich will noch viel mehr Zeit mit Dir verbringen.“ Sie weinte. Klaus sass ihr erst irgendwie hilflos gegenüber,  er spürte diesen Schmerz, diesen Schmerz von Anna und seinen eigenen. Dann setzte er sich neben Anna und versuchte sie zu trösten, nahm sie in den Arm und versuchte sie zu beruhigen.

„Du hast ja recht, ich muss ihm zumindest persönlich sagen, was passiert ist, ihm das erklären, was mit mir, mit uns passiert ist. Liebst Du mich denn auch so, wie ich Dich liebe?“

Ja, Du kannst nicht einfach wegbleiben und egal wie Du Dich entscheidest, wie ihr entscheidet, ich bin hier und wenn Du Montag zurückkommst, dann treffen wir uns wieder, ja?“

„Liebst Du mich auch?“

Klaus konnte nicht antworten. Er hatte es sehr genossen, aber dieses Wort Liebe wollte ihm nicht über die Lippen gehen.

„Anna, ich mag Dich sehr und wir hatten eine wunderbare Zeit miteinander, aber ich weiß doch gar nicht, wie Dein Mann reagiert, vielleicht versöhnt ihr Euch wieder, und dann?“ 

Am Liebsten hätte Klaus natürlich gewollt, dass Anna bei ihm bleibt, aber es war dieser Zwiespalt. Schon einmal hatte er sich in Anna verliebt, ihr das aber nie gesagt. Nicht in dieser Nacht vor über einem Jahr, nicht danach. Er hatte sehr gelitten und hielt es deshalb dann auch für das Beste, den Kontakt zu ihr abzubrechen. Damals sprachen beide ganz abgeklärt von einem Ausrutscher, von dem sie niemandem erzählen würden. Dieses Mal spürte er es noch viel mehr, er liebte sie, seit dieser Nacht vor 15 Monaten, noch mehr seit der Vergangenen. Aber wieder hatte er Angst, große Angst, dass er Anna wieder verlieren könnte.

Fast wortlos bezahlte er die Rechnung und sie fuhren mit der U-Bahn zu Annas Wohnung. Sie küssten sich, beide weinten nun. Sie wandte sich ab von ihm und meinte, sie sollte los. Er half ihr, ihren Koffer zum Wagen zu tragen, alles ging auf einmal so schnell. Vielleicht auch deswegen, weil der Abschied unvermeidlich war und vielleicht auch, deshalb weil er Anna nicht sagen konnte oder wollte, dass er sie auch liebt. Aber es änderte ja nichts daran, egal ob er es ihr sagen würde oder nicht, so dachte er. Er wusste schon jetzt, dass er sie vermissen würde und die Kommunikation zu ihr über das Wochenende auch eher schwierig sein würde. Er überlegte lang, was er Anna noch auf den Weg mitgeben könnte, sonst wortgewandt und charmant, jetzt hilflos, sehenden Auges sein Unglück anzunehmen und sie verschwinden zu sehen. Ohne eine Vorstellung, was passieren würde. Es schmerzte – sehr.

Anna schloss die Fahrertür auf und verabschiedete sich mit den Worten:“ Klaus mach’s  gut, ich bin enttäuscht, wieso hast Du nicht mehr gekämpft?“ 

Unter Tränen fuhr sie die Straße hinunter und Klaus stand da, im Regen. Noch eine ganze Weile, bis ihm klar war, dass sie weg war.

Anna schloss die Fahrertür auf und verabschiedete sich mit den Worten:“ Klaus mach’s  gut, ich bin enttäuscht, wieso hast Du nicht mehr gekämpft?“ 

Unter Tränen fuhr sie die Straße hinunter und Klaus stand da, im Regen. Noch eine ganze Weile, bis ihm klar war, dass sie weg war.

Er fühlte sich hilflos und schlecht. Diese Frage von Anna ging ihm nicht mehr aus dem Kopf. Was hätte sie denn erwartet? Sollte er tatsächlich sagen, dass sie bleiben soll, dass sie ihrem Mann sagen sollte, dass sie wegen ihm nicht mehr zurückkommt? Hätte er ihr seine Liebe gestehen sollen? Einfach ehrlich sein? Um sie kämpfen? Sich endlich eingestehen, dass er sie schon länger als ein Jahr vermisst hatte?

Ihm wurde immer klarer, dass er sie im schlimmsten Fall auch verloren hatte. Doch jetzt war es zu spät. War es das wirklich?

Weiter darüber zu sinnieren, was richtig gewesen wäre und was er jetzt tun könnte oder hätte tun können, machte keinen Sinn. Er nahm sein Telefon in die Hand und wählte ihre Nummer. Mailbox. Auch beim zweiten Mal. Er schrieb ihr eine Nachricht. „Ich habe einen Riesenfehler gemacht, ich liebe Dich! Bitte sprich mit mir…“

Sie antwortete nicht, empfang zwar die Nachricht, aber eine Antwort kam nicht, offline. Und wie er das dritte Mal anrief, gelangte er wieder sofort auf die Mailbox. Klaus war traurig. Er ging ziellos zu Fuß in Richtung Stadtmitte, mittlerweile vom Regen durch und durch nass, er fror und alles erschien grau und alle Menschen schienen hektisch an ihm vorüber zu ziehen. Liebespärchen gingen fröhlich und unbeeindruckt vom nasskalten Wetter an ihm vorüber, sich aneinandergeschmiegt, damit sie unter einem Schirm Platz hatten. An einem kleinen Kaffee angekommen, nahm er in einer Ecke Platz, bestellte sich einen Espresso und ein Wasser. So sass er fast regungslos, die Augen nicht von seinem Telefon abgewandt. Er realisierte nicht einmal, wie die Servicekraft die Getränke brachte. Sie dachte sich, es sei wohl ein ausländischer Tourist, der sie nicht verstand und ging mit einem Kopfschütteln zum nächsten Tisch.

Anruf… aber es war Frank. Er nahm ab und wusste schon, was Frank wollte. Sein Freund wollte wissen, warum er so zögere und ob man nicht den Sack zumachen könne. Er würde beim Gehalt auch nochmal mit sich sprechen lassen, wenn das der Grund für das Hinhalten sei. Es wäre unklug zu sagen, dass er der absolute Wunschkandidat für den Job wäre, aber er möchte ihm doch bitte mitteilen, woran es hakt, dass er nicht zusagt. Klaus erzählte ihm, dass es noch ein sehr interessantes Angebot gäbe und dass er das einfach noch zumindest anschauen will. „Also gut, bis wann darf ich denn mit Deiner Zusage rechnen? Ich sollte das bis Montag Abend schon wissen!“ Klaus mochte das überhaupt nicht, jetzt auch noch wegen dem Job unter Druck gesetzt zu werden. Er versprach aber, sich bis Montag Abend zu melden, wünschte ein schönes Wochenende und lehnte das Angebot zu einem gemeinsamen Abendessen ab, da er angab, schon verabredet zu sein. Sofort nach diesem Anruf wählte er seine Mailbox an, nicht, dass Anna doch noch zurückgerufen hatte. „Sie haben keinen neuen Sprachnachrichten…“

Er versuchte nochmals, Anna zu erreichen. Mailbox, dieses Mal nahm er seinen Mut zusammen und teilte Anna mit, dass er unbedingt mit ihr telefonieren möchte und dass ihm alles so leidtut. Er schloss mit den Worten „Ich liebe Dich“. Er beschloß, zurück zum Hotel zu gehen und sich um das Job-Angebot zu kümmern, welches er am Nachmittag per Email erhalten hatte, noch wie er mit Anna unterwegs war. Er war verzweifelt.

Anna stand auf einem Parkplatz an der Autobahn, gerade mal 40km war sie gekommen. Weiter konnte sie nicht fahren. Sie telefonierte mit ihrem Mann. Er hatte sie angerufen und gefragt, ob sie denn jetzt nach Hause käme. Es war ein langes Gespräch, erst wütend, sich gegenseitig Vorwürfe machend, dann gestand sie ihm, dass sie Klaus getroffen habe und Zeit mit ihm verbracht habe. Ihr Mann meinte darauf nur, dass er eigentlich nicht mehr damit gerechnet hätte, dass sie nach Hause kommt und dass dieser schmierige Klaus dahinterstecken würde, hätte er sich ja gleich gedacht. „Du hast ihn doch seit dieser Affäre nicht wirklich vergessen“, sagte er ihr einfach so am Telefon. Bestimmt habt ihr Euch getroffen und wieder miteinander geschlafen. Ich habe versucht, ihn in seiner Firma zu erreichen, und da sagte man mir er sei geschäftlich in Hamburg, stünde da in seinem Kalender. Von der Kündigung wusste er offensichtlich nichts. „Wieso spionierst Du mir hinterher?“ Ihr Mann meinte nur, weil er Bescheid wissen wolle. Anna meinte, dass sie die ganze Situation bitte mit ihm persönlich besprechen wollte. Er hatte kein Interesse daran und fragte nur, ob sie vorhat, nach Hause zu kommen, dann sei er weg. Anna antwortete ihm nur knapp: „Na gut, dann bleibe ich in Hamburg“ und legte auf. Sie weinte immer noch, sie war verzweifelt.

Dann sah sie, dass Klaus versucht hatte sie zu erreichen. Sie legte das Gerät zur Seite und versuchte sich zu beruhigen. Es gelang ihr erst nach einigen Minuten. Raus aus dem Auto an die frische Luft. Innerhalb von ein paar Minuten war ihr Haar und ihre Kleidung nass. Sie fror. Was sollte sie tun? Was wollte Klaus jetzt noch? Ihre Enttäuschung war groß.

Sie beschloss, wieder zurück nach Hamburg zu fahren und sich in ihrer Wohnung zu verkriechen. Telefon aus und für niemanden erreichbar sein, das schien ihr das geeignetste Mittel, um zur Ruhe zu kommen, über die ganze verfahrene und traurige Situation nachzudenken.

Anna parkte ihr Auto wieder in der Tiefgarage und ging in ihre Wohnung. Hängte ihre Jacke über den Stuhl und nahm am Küchentisch Platz, es wurde dunkel.

Irgendwann kam Klaus am Hotel an. Er ging sofort in die Bar und bestellte sich einen Whisky, es war nicht der Letzte, den er an diesem Abend trank.

Anna parkte ihr Auto wieder in der Tiefgarage und ging in ihre Wohnung. Hängte ihre Jacke über den Stuhl und nahm am Küchentisch Platz, es wurde dunkel.

Irgendwann kam Klaus am Hotel an. Er ging sofort in die Bar und bestellte sich einen Whisky, es war nicht der Letzte, den er an diesem Abend trank.

Es war spät und schon lange dunkel… Anna kramte ihr Handy aus der Tasche, hörte die Nachrichten von Klaus ab, las seine What’s App Nachricht. Sie war traurig, sehr traurig. Gleichzeitig hatte sie aber Angst vor dem, was passieren könnte, wenn sie Klaus noch einmal treffen würde. Sie haderte mit sich, ob sie ihn anrufen sollte oder zumindest seine Nachricht beantworten sollte. Ihr war auch klar, dass er auf ein Zeichen wartete und dass er wohl sehen würde, dass sie seine Nachricht gelesen hatte. Wie könnte das weitergehen? Liebt er mich wirklich? Oder war es nur das, was sie erwartet hatte zu hören? Hatte sie diese Situation vom Nachmittag auch vielleicht provoziert, aus Angst, weil sie nicht wusste, wie das alles weitergeht?

Klaus sass in der Ecke der Bar und bestellte einen weiteren Drink. Sein Handy neben sich. Er startete das x-te Mal What’s App und sah, dass Anna seine Nachricht empfangen und gelesen hatte.

Aus den Lautsprechern dieser Song: Lady Antebellum, „Need You Now“

Es passte alles… er fühlte sich einsam und verlassen. Er dachte an die letzte Nacht im Atlantic und wurde traurig. Er hätte sich so viel mehr Zeit mit Anna gewünscht. Sie war es, die er seit langer Zeit liebte und begehrte und sie doch hatte ziehen lassen. Ihm wurde jetzt klar, dass er sie liebt. Zu spät… Sie würde bestimmt mit ihrem Mann zusammensitzen, sie würden sich versöhnen und er hätte sie ein weiteres Mal verloren, dieses Mal für immer.

Er wusste nicht, was er tun konnte, was er tun sollte… Er konnte sie unmöglich anrufen, ihr eine Nachricht schreiben, die ihr Mann dann vielleicht auch liest und so alles noch viel schlimmer machen. Sie in eine unangenehme Situation bringen. Das wollte er nicht.

Noch einmal versuchte er das andere Jobangebot anzuschauen… er verstand zumindest, dass es sich um ein besseres Angebot handelte. Er müsste dafür zunächst drei Monate nach London um die Einlernphase hinter sich zu bringen. Er konnte sich mit dieser Idee anfreunden. Weit weg war vielleicht nicht die schlechteste Idee…

Noch einmal ein prüfender Blick auf das Display seines Handys. Er fragte sich, auf was er noch hoffte. Sie würde sich nicht mehr melden. Sollte er sich selbst einen Gefallen tun und das Gerät abschalten? Oder zumindest auf Flugprofil schalten, so wie er es immer nachtsüber machte?

Es war 23:30 Uhr und er musste die Hoffnung aufgeben, wie er befand. „Wahrscheinlich liegt sie jetzt schon neben ihrem Mann im Bett oder …“ Er quälte sich.

Anna hatte ihr Handy immer noch in der Hand und sie überlegte immer noch. „Bestimmt ist er schon ins Bett gegangen, ich kann ihn nicht mehr anrufen oder doch, zumindest eine Nachricht auf die Mailbox?“  Sie nahm all ihren Mut zusammen und wählte seine Nummer.

„Anna? Hey, wie schön……………….. Ich habe nicht mehr gerechnet von Dir zu hören. Wie geht es Dir?“

„Ich bin wieder in Hamburg, habe mit meinem Mann telefoniert, er wollte mich erst gar nicht sehen und jetzt sitze ich in der Küche und weiss nicht, was ich denken soll, fühlen soll und ob ich Dich wieder sehen kann und darf… ich habe Angst….. liebst Du mich?“

„Es ist mir heute Abend klar geworden, dass ich Dich erst gar nicht hätte fahren lassen dürfen. Ich liebe Dich und nicht erst seit gestern.“

„Es wäre mir so wichtig gewesen, Du hättest mir das heute Nachmittag gesagt, aber ich weiss, dass Du das nicht konntest, auch wegen meinem Mann!“

„Anna, ich liebe Dich, es ist so schwierig. Können wir uns morgen treffen bitte?“

„Lass mich eine Nacht drüber schlafen, ich gehe jetzt ins Bett, ich melde mich bei Dir, mir war es nur wichtig, mich noch einmal kurz zu melden, bis morgen, ja?“

„Ja, Anna, bis morgen….“

Klaus war noch nicht so betrunken, dass er nicht verstanden hätte, was Anna wirklich sagen wollte. Er wusste genau, dass Anna sich nicht mehr melden würde.

Irgendwann ging er ins Bett, wieder einmal hatte er eine richtig schlechte Nacht, wirre Träume und wie er das Handy anschaltete, sah er die Nachricht von Anna. Sie schrieb, sie sei noch nicht bereit für etwas Neues, sie hätte Angst vor einer neuen Enttäuschung und bat um Verständnis, irgendwann würde man sich vielleicht treffen und ihr, wäre es wichtig, befreundet zu bleiben…

Er antwortete ihr, dass sie viel verlange, dass sie beide zusammen das hätten durchstehen, erleben können und dazu auch etwas Mut gehören würde. Er löschte Anna aus seinen Kontakten und schaltete das Handy wieder aus.

Sein Wochenende war geprägt von Arbeit, er beschäftigte sich mit dem Angebot des Mitbewerbers seiner alten Firma und beschloss, das Angebot anzunehmen. Nächsten Ersten würde er nach London fliegen und dort für drei Monate zur Einarbeitung verbringen. Er machte lange Spaziergänge und versuchte diese Geschichte mit Anna zu vergessen.

Es war so viel passiert in dieser Woche, erst den Job gekündigt, seine Partnerin verloren, dann Anna endlich wiedergesehen. Einmal waren sie sich so nah, wie noch nie, dann so weit weg.

Er war einsam, alleine. Alles anders!


© TK 2016

13 Replies to “Alles Anders – die ganze Geschichte”

  1. Der Anfang zieht mich in den Bann. Ich freue mich darauf, bald weiterzulesen. Jetzt versuche ich nochmal einzuschlafen.
    Dir bald ein gutes Aufstehen und einen sorgenfreien Start in den Tag 🌻

  2. servus dir …
    ……. eine Love Story – die erschauern lässt – es lief in mir regelrecht ein Film ab – Kopfkino – – **sie konnten einander nicht finden – das Wasser war viel zu tief** – habe Tränen in den Augen – und sie fließen weiter – es tut so weh – finde keine weiteren Worte ………..
    umarme Dich in Gedanken ganz lieb – Du <3
    [youtube https://www.youtube.com/watch?v=FBdoh03uIYU?rel=0&w=560&h=315%5D

      • servus Dir 🙂
        Geschichten erfindet man nicht so einfach – greift in eine Grabbelkiste –
        sie werden aus dem Leben gegriffen –
        Erlebtes – Gedanken – Wünsche …. Sehnsüchte –
        Enttäuschungen und Abgründe werden mit eingebunden …
        ich saß wie angewurzelt – weit mehr als eine Stunde – bis in die Morgenstunden
        Diese Geschichte las sich wie ein fesselnder Roman –
        ich hatte wohl bislang nicht alle Folgen gelesen
        eine Love Story einer wiedergefundenen Liebe – mhhhh – und das mit dem JOB!!!!!
        Ich hoffe das Klaus zu seiner Liebe findet – <3

        zuzaly pustet dem Thomas mal ganz schnell viele wärmende Sonnenstrahlen aus Boszkowo nach …. ???

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