Alles anders IV

Teil 4 meiner Kurzgeschichte.

Hier die 3 anderen Teile… Alles anders – Alles anders II – Alles anders III


Auf dem Weg zum Hotel erreichte ihn die Antwort von Anna.

Er hatte sich bislang immer über die Menschen lustig gemacht, die mit dem Handy in der Hand durch die Strassen liefen und Nachrichten lasen und beantworteten. Die Antwort von Anna wollte er aber sofort lesen.

Lieber Klaus, 
ich wohne seit über einem Jahr in Hamburg wegen meinem neuen Job, mein Mann ist gerade zu Besuch und wir wohnen in einem Hotel, da meine Wohnung viel zu klein ist. Wir können uns gerne treffen, wann passt es Dir? Heute Abend vielleicht?

Anna und Klaus hatten sich vor ca. 4 Jahren kennengelernt, in der ehemaligen Firma. Sie arbeitete im Innendienst und sie trafen sich dann immer zu den Meetings im Hauptsitz der Firma. Als es dann einmal ein großes Meeting in der Konzernzentrale gab, haben sie sehr viel Zeit miteinander verbracht und sich auch privat ausgetauscht. Da hatten sie einen Draht zueinander aufgebaut. Seit diesem Zeitpunkt hatten sie sehr viel Kontakt und schrieben sich jeden Tag und telefonierten oft miteinander. Und wenn immer es die Gelegenheit gab, hatten sie sich auch privat getroffen. Für beide war es eine schöne Freundschaft, die sie verbunden hat. Irgendwann vor mehr als einem Jahr hatte Klaus den Kontakt zu Anna abgebrochen, weil seine Freundin es nicht mehr wollte, dass er so intensiven Kontakt zu einer „Kollegin“ unterhielt. Sie war eifersüchtig und es fiel ihr schwer, zu glauben, dass da nichts zwischen den beiden war. Anna verheiratet, Klaus seit vielen Jahren mit seiner Partnerin zusammen. Und trotzdem war es eine magische Beziehung, die die beiden verband. Sie waren Verbündete und haben sich damals alles anvertraut. Einmal kamen sie sich näher, näher als sie wollten, näher als sie sollten und wie es das Schicksal manchmal so will, es war in Hamburg. Jetzt waren sie beide in der Hansestadt.

Liebe Anna, 
ich habe Zeit und würde mich freuen, wenn wir uns heute Abend treffen könnten. 20 Uhr in „unserem“ east?

Die Antwort von Anna kam innerhalb Sekunden…

Passt, Super! Ich freue mich so sehr! Liebe Grüsse Anna

Klaus reservierte sofort einen Tisch in dem Restaurant, in dem sie sich das letzte Mal getroffen hatten. Der letzte Abend, die letzte Nacht… Er freute sich auf ein Wiedersehen mit Anna.

Mittlerweile war er wieder zurück im Hotel. Wieder in seinen Sessel und den Vertragsentwurf von Frank lesend. Immer wieder musste er von vorne beginnen, er war unkonzentriert, er war irgendwie aufgeregt. Allzu viel Zeit war sowieso nicht mehr, er wollte sich noch frisch machen. Hatte er doch eigentlich geplant, früh ins Bett zu gehen und die letzte unruhige, schlaflose Nacht auszugleichen. Daran dachte er nun nicht mehr. Anna…

Es war halb Acht, er rief sich ein Taxi und fuhr dann ins east. Anna war noch nicht da und er wartete vor dem Restaurant auf sie. Kurz vor Acht kam sie dann zu Fuß. Beide schauten sich an und umarmten sich herzlich, so wie sie es immer getan hatten. Vielleicht einen Moment zu lang, zu intensiv.

Der Tisch war vorbereitet, Klaus hatte darum gebeten, einen ruhigeren Tisch zu bekommen und seine Wünsche wurden realisiert. Beide sassen sich gegenüber und schauten sich eine ganze Weile nur an, in die Augen, ganz tief. Vielleicht etwas zu lang, etwas zu intensiv. Über ein Jahr lang taten sie das nicht mehr. Diese Stille, dieses Kribbeln wurde von der Servicekraft unterbrochen. „Ein Gläschen Champagner wäre angebracht, Anna?“ Den Beiden wurde die Speisekarte überreicht, sie legten sie beiseite und erzählten, wie es ihnen ergangen ist. Anna erzählte von einem Streit mit ihrem Mann die letzte Nacht und dass sie ihn die letzte Zeit einfach nur noch langweilig fand, sie aneinander vorbei gelebt hätten. Sie wollte etwas erleben in Hamburg, mit ihm zusammen, er war müde, wollte kein Geld für Musical Karten oder ein feines Abendessen ausgeben und so weiter… Klaus erzählte Anna, dass er so gern in das Musical „Phantom der Oper, Liebe stirbt nie“ gehen würde. Sie versprachen sich, dass sie sich Karten besorgen wollten. Nach der zweiten freundlichen Nachfrage der Servicekraft bestellten sie Sushi. Während des Essens unterhielten sie sich noch lange und liessen kein Detail aus, was sie die letzten 14 Monate und 10 Tage, sie hatten das ausgerechnet, erlebt hatten. Beide waren froh, sich nun endlich wieder einmal getroffen zu haben. Sie erinnerten sich an all die verrückten Dinge, die sie miteinander erlebt hatten, wie sie sich ganz spontan für eine Reise nach Hamburg verabredet hatten und im east gegessen und… übernachtet hatten. Bis zu diesem Punkt, dann Schweigen und wieder diese tiefe Blick in die Augen…

Sie sassen noch bis weit nach 23 Uhr. Noch ein Glas Weißwein, eigentlich war das ein Glas zu viel, aber beide wollten sich weder verabschieden noch etwas entscheiden. Als die Rechnung dann kam, schauten sie sich an und…


 

wird fortgesetzt… @JanJan, so kommen wir mit unseren Geschichten doch noch zusammen…

 

 

 

 

26 Replies to “Alles anders IV”

  1. Ich frag mich was jetzt kommt, aber das mache ich ja jedesmal. …und überlege, was sweetkoffie da schreibt. Ist das westliches Norddeutsch? 😊🤔

  2. Nun endlich komme ich auch dazu die Fortsetzungen zu lesen,
    und ich muss sagen, gefällt mir gut, was du schreibst, ich finde sogar von der ersten Fassung bis zu dieser hier hat sich auch Schreibtechnisch einiges verbessert, es ist super gut zu lesen 🙂 So könnte ein Buch draus werden…
    Ganz viele Grüße
    Jacky

    • Das ist ja ein schönes Kompliment. Ich hatte etwas Hilfe und eine Freundin und Mitbloggerin hat mir Tipps gegeben, die erste Version ist noch von ihr korrigiert worden. Ab der zweiten habe ich ihre Tipps berücksichtigt und bin dann Losgelaufen… Danke…
      Liebe Grüße
      Thomas

        • Hi Jacky,
          ich schätze das, wenn mir Menschen helfen. Hatte heute wieder so eine Erfahrung und ein ganz lieber Mensch hat mir wieder etwas geholfen und ich hoffe, dass ich schnell lerne…
          Liebe Grüsse
          Thomas

          • Man lernt immer, man muss es nur zulassen und zugeben, dass man auch mit ein paar Tagen auf dem Buckel die Weisheit noch nicht mit Löffeln zu sich genommen hat (gefressen klingt so komisch hier…)

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